14.05.2020 14:21 |

Kritik an Regierung

SPÖ fordert 1 Mrd. Euro für Kunst- und Kulturszene

„Eine Milliarde Euro für die nächsten drei bis vier Jahre ist das Minimum.“ Mit dieser Forderung ließ SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner am Donnerstag aufhorchen und forderte ein langfristiges Rettungsprogramm für die Kunst-und Kulturszene.

Ausgestaltet werden soll dieses Programm von einer Expertenkommission, die sich aus Kunstschaffenden, der Politik und dem Gesundheitswesen zusammensetzt. Bisherige Hilfen seien „zu wenig, zu klein und in vielen Fällen hochbürokratisch“. „Ein einziger Bereich in Österreich verharrt weiter im verordneten Stillstand - ohne Perspektive und offensichtlich ohne Plan vonseiten der Bundesregierung“, attackierte Rendi-Wagner die türkis-grüne Regierung: „Es ist die Kulturlandschaft Österreich als solches in Gefahr.“

Sinnvolle Lösungen in anderen Ländern
In die gleiche Kerbe schlug auch Filmemacher Markus Schleinzer, der beklagte, dass die Politik zu seinem Unverständnis die vergangenen Wochen nicht genutzt habe, entsprechende Modelle zu entwickeln: „Was ich orte, ist ein enormer Zeitverlust, der hier stattgefunden hat.“ Man versäume vollends, in Länder wie Luxemburg, Deutschland oder die Schweiz zu blicken, die sinnvolle Modelle entwickelt hätten.

So beginne in einer Woche ein Filmteam im Auftrag des ZDF in der Steiermark zu drehen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der österreichischen Filmbranche“, konstatierte Schleinzer. Ein österreichischer Filmproduzent werde hingegen den Teufel tun, mit einem Dreh zu beginnen, solange Rahmenbedingungen wie die Ausfallshaftung oder die Kurzarbeit nicht geklärt seien. Da könne man nicht nur Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) kritisieren, zumal er nicht in den Chor der Rücktrittsaufforderungen einstimmen wolle: „Das wäre ein Albtraum - dann müsste man alles, was in den vergangenen Wochen gesagt wurde, in ein neues Gesicht hineinsagen.“ Schon alleine angesichts der Wertschöpfung der österreichischen Filmbranche von 1,4 Milliarden Euro gelte: „Es ist auch Kanzleraufgabe.“

Als unwichtig abgestempelt?
Schriftstellerin Julya Rabinowich beklagte für die Literaten, dass man seit Beginn der Krise im Regen stehen gelassen werde und sich mit dem Gefühl auseinandersetzen müsse, als unwichtig abgestempelt zu werden. Das habe auch System und sei der Versuch einer Zähmung der Widerspenstigen: „Wir sollen so mit unseren Existenzsorgen kämpfen, dass wir die Gosch‘n halten. Das werden wir nicht!“

„Niemand hat Geld bekommen“
Die bisher angekündigten Hilfen griffen nicht, unterstrich Regisseur Nikolaus Habjan: „Ich kenne niemanden - wirklich niemanden -, der Geld aus dem Härtefallfonds bekommen hätte.“ Stattdessen höre er Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagen, dass alle Menschen Kunst und Kultur konsumierten. „Da frage ich mich: Sind wir ein Packerl Mannerschnitten oder ein fettes Schnitzel?“

Schauspielerin Gerti Drassl beklagte für ihren Berufszweig: „Wir fallen durch viele Raster durch.“ Dabei gelte letztlich nur eines: „Wir wollen keine Almosen. Ich will arbeiten.“

„Gleichbehandlung für alle Bereiche“
„Ich habe hier keine parteipolitische Agenda - ich habe eine sachliche Agenda“, resümierte SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda: „Ich erwarte mir, dass es eine Gleichbehandlung für alle Bereiche gibt.“ Er sehe hier nicht zuletzt Kulturminister Werner Kogler (Grüne) in der Pflicht und wolle ebenfalls nicht Staatssekretärin Lunacek in die Schusslinie bringen: „Ich bin so erzogen worden, dass ich nicht auf Menschen hinhaue, die am Boden liegen.“

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