26.04.2020 15:00 |

Happy Birthday

Italiens Disco-Papst Giorgio Moroder wird 80

Weißer Schnauzbart, weiße Haare, schwarzes Hemd: So sitzt Giorgio Moroder im Tonstudio. Der Übervater der elektronischen Discoklänge bastelt, wie er in dem Video sagt, mal wieder an einem Sound der Zukunft. Diesmal für eine Firma für Elektroantriebe. Im Laufe seiner Karriere hat der Oscar- und Grammy-Gewinner, der heute, am 26. April, 80 Jahre alt wird, mehrfach Musikgeschichte geschrieben.

Weil Moroder seine Hauptrolle als Mitbegründer des tanzbaren, von Synthesizern geprägten Elektropops eher im Hintergrund spielte, ist sein Gesicht längst nicht jedem bekannt. Auch sein Name hat nicht den gleichen Klang wie der von Stars, für die er Songs schrieb oder produzierte: von Michael Holm und Donna Summer an den Anfängen in Deutschland über Peter Maffay bis zu Britney Spears, Kylie Minogue und anderen Weltstars.

Zeit zum Durchatmen
Zu seinem 80. Geburtstag hat Moroder wenig Lust auf Interviews, wie ein US-Sprecher des Musik-Allrounders abwinkt. Für eine Zeitung aus seiner Südtiroler Heimat war er trotzdem an seinem Wohnsitz in Los Angeles erreichbar. Eigentlich wollte er wegen einer Musical-Uraufführung über ihn selbst nach Bozen kommen. „I Feel Love“, so der Titel nach dem Donna-Summer-Hit, wurde aber wegen der Coronawelle verschoben. „Zu wissen, dass man nicht ausgehen kann, ist wirklich traurig“, sagte er der Zeitung „Alto Adige“. Und in Feierstimmung sei er wirklich nicht. Aber er habe Gesellschaft von seiner Frau Francisca und seinem Sohn Alex, der eigentlich in Paris lebe. Er nutze „diesen langen Moment der Arbeitspause“, kommende Projekte weiterzubringen. Etwa Detailarbeiten für Songs zu „Top Gun 2: Maverick“.

Geboren am 26. April 1940 in Sankt Ulrich im Grödental, griff Moroder als Teenager zur Gitarre. Mit 19 begann er, mit einer Gruppe durch Europa zu tingeln. Schließlich zog er nach Berlin. Er landete als Sänger 1969 einen kleinen Hit: „Looky Looky“. Moroder befand, sein Talent reiche nicht. Er begann zu komponieren und ging nach München, um deutsche Schlager zu produzieren.

Hit um Hit
Dort nahm seine Karriere ein neue Richtung - und volle Fahrt auf. Er entdeckte den Synthesizer für seine Musik. „Was konnte die Zukunft besser repräsentieren als der Synthesizer?“, erzählte er später dem „Zeit-Magazin“. Er hatte ein eigenes Studio. Im „Musicland“ gingen Rockstars ein und aus. Er traf Donna Summer, mit der er zahlreiche Hits schuf wie „I Feel Love“ und „Hot Stuff“. Mitte der 70er-Jahre war darunter auch der Dauer-Stöhn-Song „Love To Love You Baby“. Dutzende Radiostationen setzten das Lied als zu aufreizend auf den Index, es wurde zum Welterfolg.

Für viele markieren seine damaligen Aufnahmen mit der Erfolgsstimme Summers den Beginn der Disco-Ära. Mit der amerikanischen Popqueen, er nannte sie auch „seine Künstlerin“, wechselte der Italiener Ende der 70er-Jahre in die USA. Später komponierte er zahlreiche Filmmusiken. Seine Arbeiten für „Flashdance“, „Top Gun“ und „Midnight Express“ bescherten ihm Oscars. Er schuf Hymnen für Olympische Spiele - etwa „Reach Out“ (1984) - und für Fußballweltmeisterschaften (1990). Was er sich in der Musikwelt aufgebaut hatte, nannte der britische „Guardian“ eine „Hit-Fabrik“. Dabei blieb der Künstler über Jahrzehnte dran am Zeitgeist und an technischen Entwicklungen der Klangwelt.

Weiter große Pläne
Mit über 70 ging Moroder international als DJ auf Tour. 2019 startete er eine Live-Tour „Celebration Of The 80‘s“ mit Band und Gesang. Der Star aus dem Hintergrund trat als Musiker selbst auf Mega-Bühnen, mit Scheinwerfern und jubelnden Fans. Im selben Jahr kreierte Moroder für die Antriebsfirma FPT Industries, die einen Schwerpunkt bei Industriefahrzeugen hat, Musik, die der Elektro-Mobilität einen dynamischen Klang geben soll. Dass das in Bozen über ihn geplante Musical ausgebremst wurde, macht ihn traurig. Moroder besitzt in Gröden einen Urlaubssitz. Dort geht er gerne wandern, etwa auf die Seiser Alm. Im Gespräch mit dem Südtiroler Blatt sagte er, nach Corona wolle er hinfahren und das Bühnenstück - wohl 2021 - mit vorstellen: „In der Hoffnung, dass dieser Albtraum endet und ich fit genug bin, um anwesend zu sein.“

 Wien Krone
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