Tausende Helfer mehr

Zivil- und Präsenzdiener verlängern ab Mittwoch

Österreich
31.03.2020 14:57

Im Kampf gegen das Coronavirus werden ab Mittwoch 3500 außerordentliche Zivildiener in den Dienst gestellt. 2000 davon sind Freiwillige, 1500 sind Aktive, die verlängert wurden. Es ist das erste Mal, dass in der Zweiten Republik so eine Maßnahme angewandt wird. Für 2316 Soldaten beginnt außerdem der zweimonatige Aufschubpräsenzdienst. Dabei handelt es sich um keine Premiere: Während der Tschechien-Krise 1968 musste das Bundesheer schon einmal auf diese Art aufgestockt werden.

Die Regierung rechnet damit, dass Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflege- und Betreuungseinrichtungen in den kommenden Wochen ausfallen werden, weil sie erkranken oder unter Quarantäne stehen. Um diese Lücken zu schließen, wurde der außerordentliche Zivildienst ausgerufen. Die Zivildiener wurden von den Landesstellen des Österreichischen Roten Kreuzes in den Bundesländern zugewiesen. Von dort erfolgt die regionale Verteilung auf die Einrichtungen, in denen es Bedarf gibt. Darüber hinaus gibt es eine flexible „Reserve“ an Zivildienern in jedem Bundesland, die nach akuten Bedürfnissen zugeteilt werden kann.

(Bild: APA)

Die Freiwilligen werden zwei oder drei Monate dienen. Die meisten (rund 800) sind in Wien im Einsatz, in Niederösterreich sind es 370, in Oberösterreich 270, in der Steiermark 260, in Tirol 150, in Salzburg und Vorarlberg etwas mehr als 90, in Kärnten 60 und im Burgenland 40, teilte das Ministerium am Dienstag mit.

Für Mehrheit der verlängerten Zivildiener bleibt Einsatzort gleich
1300 der 1500 Zivildiener, deren Dienst um drei Monate verlängert wurde, bleiben in jenen Einrichtungen, denen sie bisher zugeteilt waren und die in der Corona-Krise besonderen Bedarf haben. Dazu zählen Krankenanstalten, Rettungswesen, Sozialhilfe, Behindertenhilfe, Altenbetreuung, Krankenbetreuung und Gesundheitsvorsorge. Mehr als 120 Zivildiener waren bisher Einrichtungen zugeteilt, die nun geschlossen wurden oder in denen kein Bedarf mehr besteht (wie Museen oder Kindergärten). Sie werden in Einrichtungen versetzt, in denen es nun akuten Bedarf gibt.

(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Köstinger: Es ist die Ruhe vor dem Sturm derzeit“
Zivildienstministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bedankte sich bei den Zivildienern, „die sich in dieser schwierigen Lage unseres Landes noch einmal in den Dienst der Gesellschaft stellen“. „Es ist die Ruhe vor dem Sturm derzeit. Unsere Betreuungssysteme werden sehr schnell extrem beansprucht werden, da brauchen wir jede Unterstützung, die wir bekommen können“, so Köstinger. Vor allem Pflegekräfte sollen sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können und die Zivildiener in der Struktur unterstützen, bei Transporten, in der Organisation und der Logistik.

(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Michael Opriesnig, Generalsekretär des Roten Kreuzes, sprach von einem „schönen und ermutigenden Zeichen, dass sich so viele Männer freiwillig gemeldet haben, um einen außerordentlichen Zivildienst anzutreten“.

Aufschubpräsenzdiener werden durch Milizsoldaten abgelöst
Durch den Aufschubpräsenzdienst wird bis zum Wirksamwerden der einberufenen Miliz sichergestellt, dass alle Aufgaben des Bundesheeres erfüllt werden können und notwendige Reserven jederzeit bereitstehen können. „Dadurch entsteht Handlungsfreiheit für die strategische Reserve der Republik“, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Aufschubpräsenzdiener sind derzeit in allen Bereichen sicherheitspolizeilicher Assistenzeinsätze und Unterstützungsleistungen eingesetzt. Dort werden sie auch weiter bis zur Ablöse eingesetzt bleiben. Geplant ist es, die Aufschubpräsenzdiener Mitte Mai 2020 durch Milizsoldaten abzulösen.

(Bild: Peter LECHNER)

Die meisten Grundwehrdiener (558) sind in Niederösterreich im Einsatz, gefolgt von Oberösterreich (395), Salzburg (371), Tirol (317), Kärnten (200), der Steiermark (194) und dem Burgenland mit 240 Soldaten. In Wien (26) und Vorarlberg (15) sind kaum Aufschubpräsenzdiener im Einsatz.

Tanner bittet „zwei Monate mit voller Kraft durchzuhalten"
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) wendete sich mit einer Video-Botschaft an die Soldaten. „Sie sind im Begriff, einen ganz wichtigen Beitrag zur Sicherheit unseres Landes zu leisten“. Die Regierung habe die Entscheidung zur Verlängerung des Grundwehrdienstes nicht leichtfertig getroffen. „Wir haben diese Maßnahme ergriffen, weil wir Sie jetzt dringend im Dienst benötigen. (...) Ich bitte Sie, die kommenden zwei Monate mit voller Kraft durchzuhalten“, so Tanner. Als Dank gibt es eine Anerkennungsprämie von 190 Euro pro Monat.

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