19.07.2010 10:14 |

Einfach rührend

"Er wird immer in meinem Herzen bleiben!"

Gustav Gemperle aus Haringsee hat uns von der Rettung eines kleinen Feldhasen berichtet.

Ich fuhr wieder einmal vom Geschäft nach Hause, als mir drei Saatkrähen auffielen, die um ein hüpfendes Etwas mit Ohren standen. Ich bremste abrupt, setzte zurück und traute meinen Augen nicht: Ein kleines Häschen hüpfte in seiner Todesangst den Krähen entgegen. Zuerst verscheuchte ich die Krähen – aber was jetzt? Wo ist die Häsin? Wo kann das Nest sein? Weit und breit nur Schneeflocken, kein Busch oder sonst irgendeine Möglichkeit für ein Hasenversteck oder Hasennest.

Ohne weiteres Überlegen nahm ich ein Tuch aus dem Auto und bereitete es über den kleinen Hasen. Der fauchte zwar ein bisschen, war aber sofort ruhig, als er die Wärme spürte. Mit beiden Händen drückte ich den kleinen Wicht an meinen Körper und fuhr nach Hause.

Sein erstes Nest war eine Plastikkiste mit Hobelspänen. Sofort fuhr ich in die Tierhandlung, um Heu zu besorgen, und fragte die Verkäuferin, was man so einem kleinen Wildhasen zu fressen geben kann. Die schickte mich in die Apotheke. Dort erfuhr ich von Katzenmilch, die ich in ein kleines Fläschchen mit Schnuller füllte. Ich versuchte mich an der ersten Fütterung, heftiges Kopfschütteln seitens des Hasen war die Folge. Er war unruhig und zappelig. Immer wieder versuchte ich, ihm die Milch einzuflößen – vergeblich.

Jemandem war es mit Zugabe von Karottensaft gelungen, einen Wildhasen zur Aufnahme der Katzenmilch zu überreden. Ich also ins nächste Dorf, um Baby-Karottensaft zu kaufen. Ich wiederholte die Prozedur, Ergebnis: Ruckartiges Kopfschütteln. Ich versuchte es mit Petersilie und Haferflocken, dann mit Karottenstreifen, nichts brachte den erhofften Erfolg. Eine Tierärztin wies mich darauf hin, dass Hasen Kot fressen, um die Verdauung zu steuern. Sollte ich jetzt Hasenkot suchen?

Resignation machte sich breit. Immer wieder probierte ich es mit der Katzenmilch. Meine Frau entschied: „Einen Namen darf er nicht bekommen! Sonst ist es mit der Auswilderung vorbei!“ Am dritten Tag wog das Häschen nur noch 118 Gramm. Mittlerweile war unsere Beziehung zueinander schon sehr vertraut.

Immer wieder stopfte ich das Fläschchen in das kleine Maul, dann mit Nachdruck, und endlich fing er an, ein wenig zu saugen. Das steigerte sich von Tag zu Tag, und zwischendurch nagte er auch an hartem Brot oder einem Petersilienblatt. Zwischenzeitlich baute ich einen Hasenstall. Meine Frau meinte, das wäre kein Stall, sondern ein Chalet.

Der kleine Hase hoppelte hinter mir her, und rutschte auf den Küchenfliesen immer wieder aus. Eines Tages begann er, am rechten Hinterbein zu hinken. „Einen hinkenden Hasen können wir nicht auswildern!“, beschloss meine Frau und kam meinen Gedanken damit sehr entgegen. Am 39.Tag konnte er mit dem Beinchen gar nicht mehr auftreten. Wir fuhren zum Tierarzt. Der diagnostizierte einen Oberschenkelbruch der Hinterpfote, und das war sein Todesurteil. Weiter martern wollte ich den Hasen nicht – und ich habe auch noch nie einen Hasen mit Gipsbein gesehen…

Ich hielt ihn wie immer mit seinen Vorderpfoten in der Hand, kraulte ihn, berührte seine langen Löffelohren und sah zu, wie der Arzt mit der Spritze zustach. Ich spürte, wie das Leben entwich und sein Herz zu schlagen aufhörte. Wortlos bettete ich das Tier in meinen Pappkarton und schlich davon. Mit aufgewühltem Herzen und verschwommenen Augen zimmerte ich ein kleines Kistchen, legte Heu und meinen toten Hasen hinein, und begrub den Hasen, der keinen Namen haben sollte, an der Gartenmauer.

Wir vermuten, dass der Bruch in seinem Beinchen als Knochensprung schon immer da war, dieser mit seinem rapiden Wachstum nicht zuheilte, sondern vielleicht mitgewachsen ist. In meinem Herzen wird er immer weiterleben und seinen Platz haben.

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