08.01.2020 11:55 |

krone.at-Kolumne

Geben wir Türkis-Grün doch eine Chance!

Jedem Anfang wohnt einen Zauber inne: Nach langen Monaten des politischen Stillstandes hat Österreich wieder eine handlungsfähige Regierung. Ob die sich gut oder schlecht schlagen wird, wird sich weisen. Geben wir ihr doch die Chance dazu!

Für Sebastian Kurz ist es schon ein bekanntes Spiel, die Angelobung barg für ihn keine große Überraschung: Nach einer knappen Stunde und den magischen zwei Worten „Ich gelobe“ stieg weißer Rauch aus dem Bundeskanzleramt auf. Österreich hat seine erste türkis-grüne Regierung. Und damit beginnt eine neue Ära, denn noch nie saß Grün im Bund auf der Regierungsbank. Nun werden sie beweisen müssen, dass sie nicht nur große Öko-Töne spucken, sondern auch umsetzen können.

In Österreich wird gerne gesudert
Der Neuartigkeit der türkis-grünen Konstellation zum Trotz gab es bereits im Vorfeld der Angelobung viel Kritik. Das Regierungsprogramm sei zu rechts, die Zielsetzungen zu wischiwaschi, Alma Zadic als Justizministerin eine unglückliche Besetzung und überhaupt - eine Frau als Verteidigungsministerin? Wir Österreicher sind ja bekannt fürs liebevolle Sudern.

Dabei sollte auch dieser Regierung Zeit zugestanden werden, um zu beweisen, dass die Forderungen im Regierungsprogramm keine leeren Floskeln sind und sie nicht nur durch den frischen Wind, sondern auch durch Verbesserungen für das Land besticht. Und wenn man sich ehrlich ist: Schlimmer als im Vorjahr kann es ohnehin nicht werden.

An die Opposition: Hättet ihr es denn besser gekonnt?
Dass sich so manche Oppositionspartei nun schon in Stellung bringt, um mit der neuen Regierungskonstellation den Untergang Österreichs herbeizubeschwören, ist lächerlich. Die absehbaren Kassandra-Rufe sind durchschaubar und dem eigenen Frust über den Machtverlust geschuldet. Das ist verständlich, aber auch in der Politik wenig erwachsen.

Schließlich müssen sich die beiden Regierungsalternativen Rot und Blau fragen: Hätten sie es denn tatsächlich besser gekonnt? Angesichts des Zustandes beider Traditionsparteien darf das ohne größeres Risiko bezweifelt werden.

Ab jetzt laufen die 100 Tage Welpenschutz …
Natürlich bedeutet das nicht, das türkis-grüne Regierungsprogramm devot hinzunehmen. Gerade der Spagat bei der „Sicherungshaft“ birgt durch seine vielen offenen Fragen Diskussionspotenzial, dem sich Kurz und Kogler schon bald stellen werden müssen. Aber alles zu seiner Zeit.

Traditionell wird einer neuen Regierung 100 Tage Welpenschutz zugestanden, bevor die erste Bilanz gefällt wird. Das sollte auch für Türkis-Grün gelten. Gönnen wir uns und der neuen Regierung doch diese Zeit, sich unter Beweis zu stellen. Danach darf wieder haltlos gesudert werden.

Katia Wagner, krone.at

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