Biotop soll weg

Setzt Wiener Wohnen Entenpärchen vor die Tür?

Tierecke
22.05.2026 05:00
Porträt von Katharina Lattermann
Porträt von Tierecke
Von Katharina Lattermann und Tierecke

Der Streit um ein kleines Biotop in einer Wiener Gemeindesiedlung sorgt für große Emotionen. Eine Mieterin bangte bereits um ihre Enten, Schildkröten und Fische, nachdem Wiener Wohnen die Zuschüttung der Wasserstelle gefordert hatte. Doch Dank der „Krone“ gibt es nun erstmals Hoffnung auf eine Lösung.

Beschauliches Plätschern, warme Sonnenstrahlen und zufriedenes Quaken erfüllen den kleinen Garten des städtischen Siedlungshauses von Gorica S. in Favoriten. Doch über diesem kleinen Paradies hängen dunkle Wolken. Seit einer Meinungsverschiedenheit wegen der Reinigungsfirma und einem Stiegenhausschloss hat Frau S. das Gefühl, dass man bei Wiener Wohnen „sauer“ auf sie sei. 

Mittlerweile setzt der Wienerin die Sache auch gesundheitlich zu, auf die Frage nach einem Foto für die „Krone“ winkt sie beim Lokalaugenschein der Tierecke ab. „Ich kann kaum schlafen, habe Herzprobleme und meine Nerven halten das nicht aus. Was hier passiert, ist existenzgefährdend für mich“, erzählt Frau S. traurig. 

Das Biotop der Familie S. im Garten des Siedlungshauses der Gemeinde existiert seit 1996. Jetzt ...
Das Biotop der Familie S. im Garten des Siedlungshauses der Gemeinde existiert seit 1996. Jetzt soll es zugeschüttet werden!(Bild: Katharina Lattermann)

Biotop muss ausgelassen werden
Denn seit besagter Meinungsverschiedenheit überhäufe Wiener Wohnen sie mit Auflagen und Regulierungen, während bei anderen Mietern ein Auge zugedrückt werde. „In meinen Augen ist das komplett willkürlich. Der Gipfel des Ganzen ist, dass ich mein seit 30 Jahren bestehendes Biotop auslassen soll. In wenigen Tagen muss ich ins Krankenhaus und soll noch auf die Schnelle jemanden finden, der die Wassertiere übernimmt“, ist die Tierfreundin besorgt. 

Ohne Rücksicht auf Verluste
Konkret geht es um drei Entenpärchen, vier Wasserschildkröten und ein paar Fische, die nun ohne Rücksicht auf Verluste von Wiener Wohnen aus ihrem gewohnten Lebensraum gerissen werden. „Ich hoffe sehr, dass ein tierlieber ‘Krone‘ Leser aufmerksam wird und meine Lieblinge übernimmt. Es bricht mir das Herz. 1996 haben wir das Biotop vom Siedlungsverein per Handschlag genehmigt bekommen, leider reicht das heutzutage nicht mehr aus“, sagt Frau S. leise. 

Alles muss weg
Der liebevoll gestaltete Vorgarten musste bereits planiert werden. „Der schmiedeeiserne Zaun war der Dame von Wiener Wohnen ein Dorn im Auge. Sie wollte, dass es überall gleich aussieht, meine Deko hat ihr nicht gefallen“, zeigt sich Frau S. traurig. Mühevoll hat sie nun alles in Eigenregie entfernt, um den Auflagen der Stadt Wien nachzukommen.

Man muss sich an den Kopf greifen: Bei Vandalismus und Messie-Haushalten auf Gemeindegebiet wird oft wochenlang weggeschaut. Wenn jemand etwas auf eigene Kosten pflegt und in Schuss hält, werden ihm Steine in den Weg gelegt. 

Nachträgliche Bewilligung möglich?
Doch nach der Anfrage der „Krone“ Tierecke dürfte nun doch Bewegung in die Causa kommen. Wiener Wohnen signalisiert erstmals Bereitschaft, den möglichen Erhalt des Biotops auszuloten. Sprecherin Marianne Lackner betont, man nehme die Sorgen der Mieterin ernst: „Uns ist bewusst, dass die mögliche Auflassung eines über längere Zeit bestehenden Biotops für die Betroffenen eine emotionale und organisatorische Herausforderung darstellt – insbesondere dann, wenn Tiere betroffen sind. Wir nehmen diesen Aspekt ernst.“

Den Vorwurf mangelnder Rücksicht auf Tierwohl weist Wiener Wohnen zurück. Man müsse als Hausverwaltung darauf achten, dass Mietergärten „rechtssicher, bestimmungsgemäß und dauerhaft verwaltbar“ genutzt werden. Bewilligungspflichtige Änderungen würden auch nach Jahrzehnten nicht automatisch zulässig werden.

Grüne Oasen zwischen Asphalt

  • Ein Biotop im Garten ist ein wertvoller Beitrag zum Natur- und Artenschutz.
  • Gerade in Städten werden solche grünen Rückzugsorte immer wichtiger, weil sie Tieren Nahrung, Wasser und Schutz bieten
  • Gleichzeitig würde ein naturnahes Biotop das Mikroklima verbessern und Regenwasser speichern

Bleiberecht für den kleinen Teich?
Dennoch macht die aktuelle Stellungnahme Hoffnung: Wiener Wohnen sei „bereit nochmals zu prüfen, ob und unter welchen rechtlichen, technischen und verwaltungsmäßigen Voraussetzungen das Biotop allenfalls erhalten bleiben kann.“ Dabei sollen sowohl die Interessen der Hausverwaltung als auch die besonderen Umstände vor Ort berücksichtigt werden.

Für Frau S. und ihre tierischen Schützlinge könnte sich damit nun doch noch ein Hoffnungsschimmer auftun – vielleicht findet sich am Ende eine Lösung, mit der sowohl die grüne Oase als auch ihre Bewohner bleiben dürfen.

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