07.01.2020 11:12 |

Keine Strafzahlung

Rettungsschiff-Kapitän gewinnt Berufung auf Malta

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs Lifeline ist am Dienstag in einem Berufungsverfahren überraschend freigesprochen worden. In erster Instanz war Claus-Peter Reisch, der den Prozess von Anfang an als „politisch motiviert“ gegen die Seenotrettung im Mittelmeer betrachtet hatte, wegen einer nicht ordnungsgemäß erfolgten Registrierung zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden. Die Strafe muss er nun nicht zahlen. Das seit eineinhalb Jahren beschlagnahmte Schiff dürfte nun ebenfalls freigegeben werden.

Der jetzige Freispruch sei „unglaublich überraschend“, sagte der Sprecher der Dresdner Organisation Mission Lifeline der Deutschen Presse-Agentur. Der aus dem bayrischen Landsberg am Lech stammende 58-Jährige konnte das Urteil ebenfalls kaum fassen. „Wow, unglaublich. Ich habe gewonnen“, lautete seine Reaktion auf Twitter, wo unmittelbar danach eine Vielzahl an Gratulations-Tweets eintrudelten. „Das einzige Urteil, das rechtmäßig ist, alles andere wäre reine Bösartigkeit“, schrieb eine Userin.

Tagelange Irrfahrt mit Hunderten Flüchtlingen an Bord
Reisch und die Lifeline hatten im Jahr 2018 weltweite Bekanntheit erlangt: Das Rettungsschiff nahm im Juni 2018 234 Flüchtlinge vor der libyschen Küste auf und irrte danach tagelang über das Mittelmeer, weil Italien und Malta zunächst ein Anlegen verweigerten. Schließlich durfte das Schiff in Malta anlegen, wurde aber von den Behörden beschlagnahmt und der deutsche Kapitän angeklagt.

Zweites Schiff der NGO in Italien beschlagnahmt
Ein weiterer Berufungsprozess findet übrigens demnächst in Italien statt, wo der deutsche Kapitän mit einem Bußgeld in der Höhe von 300.000 Euro belegt worden ist. Trotz des damals geltenden Verbots, in einen sizilianischen Hafen einzulaufen, steuerte Reisch im September des Vorjahres mit mehr als 100 Migranten an Bord der Eleonore, eines Nachfolgerschiffes der Lifeline, den Hafen Pozzallo an. Axel Steier, Sprecher der Organisation Mission Lifeline, machte vor Gericht einen Notstand, in dem sich Reisch und die Migranten befunden haben sollen, geltend. „Wir sehen eine 50-zu-50-Chance, dass man da noch drum rumkommt“, so Steier vor Monaten.

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