26.11.2019 06:02 |

Abrechnung in Buch

Zeiler: „Ich glaube nicht an Doskozil“

Medienmanager Gerhard Zeiler kritisiert in seinem neuen Buch Christian Kern scharf, fordert mehr SPÖ-Einsatz beim Klimaschutz und eine Neuausrichtung der SPÖ. Chef will er nicht sein.

„Krone“: Sie bedauern im Buch, 2016 keine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz gegen Christian Kern verlangt zu haben. Wo stünde die SPÖ heute, wenn Sie das getan hätten?
Gerhard Zeiler: Das ist vergossene Milch. Es gab die Wahl zwischen Christian Kern und mir, eine Mehrheit der Landesparteichefs - nicht die Wiener - hat sich für Kern entschieden. Es ist erledigt.

Wieso wollen Sie jetzt nicht mehr SPÖ-Chef werden?
Weil die Zeit vorbei ist. Der personelle Neuanfang hat bereits mit Pamela Rendi-Wagner begonnen.

Warum präsentieren Sie dann just am Tag nach einer Wahlschlappe Ihr Buch?
Das hat zwei Gründe: Diese Woche ist in Amerika Thanksgiving. Das ist die einzige Woche, die ich mir freinehmen konnte. Zweitens wollte ich es nicht im Wahlkampf präsentieren.

Überrascht Sie das Wahldebakel in der Steiermark?
Es tut weh. Aber es überrascht mich nicht, für mich ist es gar besser als gedacht.

Im Video unten sehen Sie die Rücktrittserklärung des steirischen SPÖ-Chefs Michael Schickhofer:

Sie fordern auch Ökosteuern, um die Jugend zu überzeugen. Die SPÖ nicht.
Das ist inhaltlich, politisch und taktisch ein Fehler. Man überlässt dieses Feld, das vor allem die Jugend mit Leidenschaft und Interesse verfolgt, völlig den Grünen.

Viele „Abgehängte“ und potenzielle SPÖ-Wähler haben mangels Staatsbürgerschaft kein Wahlrecht. Franz Vranitzky forderte unlängst, gut integrierte Migranten wählen zu lassen. Sie auch?
Diejenigen, die hier fünf oder zehn Jahre leben und arbeiten, sollten selbstverständlich ein Recht auf Staatsbürgerschaft haben - auch doppelte Staatsbürgerschaft, aber nicht doppeltes Wahlrecht.

Herr Zeiler, Sie schreiben, dass es seit fast 20 Jahren an der SPÖ-Spitze kaum Visionäre gab. Hat die SPÖ keine?
Natürlich hat sie die, aber sie sind nicht sichtbar. Das ist für mich einer der wesentlichen Gründe, wieso die SPÖ steht, wo sie steht.

Ist Rendi-Wagner die nächste Kanzlerkandidatin?
Ich hoffe es.

Einige Rote wünschen sich Hans Peter Doskozil als Chef.
Ich hoffe das nicht.

Wieso nicht?
Er ist nicht der Richtige, eine linke Volkspartei zu bilden. Denken Sie nur an seine jüngste Wortmeldung, ihm sei „wurscht, was linke Eliten sagen“. Es braucht die große Klammer. Und da glaube ich nicht an Doskozil.

Klaus Knittelfelder, Kronen Zeitung/krone.at

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