"Ich bereue es sehr!"

Künstler Otto Muehl entschuldigt sich für sexuelle Übergriffe

Burgenland
10.06.2010 17:54
Künstler Otto Muehl, gebürtiger Südburgenländer, der am 16. Juni seinen 85. Geburtstag feiert, hat sich in einem offenen Brief für die sexuellen Übergriffe entschuldigt, die während seiner Zeit als Kommunenchef auf dem Friedrichshof in Zurndorf passiert sind. "Ich bereue es sehr", heißt es in dem Brief.

1991 war Muehl wegen Sittlichkeitsdelikten bis hin zur Vergewaltigung, Verstößen gegen das Suchtgiftgesetz und Zeugenbeeinflussung schuldig gesprochen und zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Sechseinhalb Jahre Haft verbüßte er. Seit seiner Entlassung lebt er gemeinsam mit einigen Künstlerfamilien in der Art & Life Family-Kommune in Portugal. "Ich bereue es sehr. Alles ist mir durch unser Klein-Experiment hier in Portugal bewusst geworden", beteuert Muehl heute.

Vielfältige Ausdrucksformen
Die Einschätzung der künstlerischen Bedeutung des Werks von Otto Muehl ist ebenso unterschiedlich wie es die von ihm gewählten Ausdrucksformen sind. Schon in seiner ersten Aktion "Versumpfung einer Venus" (1963) und seinen folgenden "Materialaktionen" spielte Sexualität und das Herantasten an künstlerische wie gesellschaftliche Tabus eine große Rolle. 1973/74 wandte er sich vom Aktionismus ab und begann wieder zu malen. Seither entstanden neben vielen expliziten Darstellungen etwa Siebdrucke mit Politiker-Porträts oder zuletzt so genannte "Electric Paintings", elektronisch gemalte Collagen, bei denen Einzelfotos von Aktionen am Computer weiterentwickelt wurden, sowie "Excess Art"-Objekte. Am 16. Juni feiert Muehl, der in Grodnau als Sohn eines Volksschullehrers und einer Hausfrau das Licht der Welt erblickte, seinen 85. Geburtstag.

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