16.11.2019 14:58 |

Rivale LG teilt aus

TV-Schlammschlacht: Hat Samsung kein echtes 8K?

Es geht heiß her zwischen den koreanischen IT-Giganten LG Electronics und Samsung. Schon seit der Internationalen Funkausstellung im September machen die Konzerne die TV-Technologie des jeweils anderen schlecht: LG wirft Samsung vor, seine 8K-Fernseher böten kein echtes 8K, weil sie nicht dem Industriestandard entsprechen sollen. Samsung lässt indes keine Gelegenheit aus, LGs OLED-TVs wegen einer gewissen Einbrenngefahr schlechtzureden. Der jüngste Streich kam von LG, wo man sich die Marke „Real 8K“ schützen ließ - wohl, um die eigenen 8K-Fernseher besser von jenen des Rivalen abheben zu können.

Das berichtet das deutsche IT-Magazin „Chip“ - und prognostiziert, dass LG Anfang Jänner auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, der größten Fachbesucher-Schau für Elektronik, erste 8K-OLED-Fernseher mit dem „Real 8K“-Logo vorstellen könnte. Da es sich um eine LG-Marke handelt, werde das entsprechende Logo dort wohl nicht auf Samsung-Fernsehern zu sehen sein - und bei manch einem Besucher die Frage aufwerfen, ob Samsungs Fernseher kein „echtes“ 8K bieten.

LG-Manager spricht Samsungs 8K-TVs das 8K ab
Stein des Anstoßes: LG-Manager Park Hyoung-Sei hatte auf der IFA im September erklärt, dass sich Samsung bei seinen 8K-Fernsehern im Bereich der Kontrastmodulation nicht an die Standards des International Committee for Display Metrology (ICDM) halte und statt der von der Organisation verlangten 50 nur 12 bis 18 Prozent Kontrastmodulation zustande bringe. Darunter leide die Bildqualität, die nach Ansicht von LG bei Samsungs 8K-TVs nicht besser sei als bei etablierten 4K-Fernsehern. Samsung nannte die Vorwürfe damals laut dem TV-Technikblog 4kfilme.de „absurd“, LG konterte: „Die Kunden sollten die Wahrheit erfahren!“

Experte sieht Schwächen in Samsungs 8K-TVs
Tatsächlich analysiert Display-Spezialist Bob Raikes, Gründer eines britischen Marktforschers und langjähriger Beobachter der Bildschirmindustrie, dass Samsungs 8K-Fernseher Schwächen haben. Er führte vor einigen Wochen im Branchenmagazin „Display Daily“ aus: Weil 8K-TVs viermal so viele Pixel hätten, hätten sie auch viermal so viele Transistoren. Und wenn der Bildschirm nicht viermal so groß wie ein 4K-TV sei, führe das zu einem schlechteren Verhältnis von transparenter und lichtundurchlässiger Pixelfläche, also geringerer optischer Effizienz. Auch die Farbdarstellung scheine zu leiden. Die Leuchtdichte erhöhe Samsung mit einer helleren Hintergrundbeleuchtung, was allerdings den Energieverbrauch - Samsungs 8K-TVs schaffen gerade einmal Effizienzklasse D - erhöhe.

Stromhunger lässt Bildqualität leiden
Um Klasse D zu erreichen, habe Samsung zudem die Farbfilter durchlässiger gestaltet, was wiederum der Farbdarstellung schade. Auch bei der seitlichen Ablesbarkeit habe Samsung tricksen müssen, glaubt Raikes. Konkret berichtet er, dass Samsung seine 8K-TVs mit einem Weitwinkelfilm ausstatte, um die Betrachtungswinkel zu erhöhen. Der „verschmiere“ aber die Pixel ineinander und beeinträchtige so vermutlich die Auflösung. Die nicht so sauber voneinander abgegrenzten Pixel waren es auch, die LG dazu veranlassten, Samsungs 8K-Fernsehern abzusprechen, gängigen 8K-Standards zu genügen. Zwei unabhängige Labore - Intertek und VDE - hätten LGs Auffassung mittlerweile bestätigt, schreibt Raikes.

QLED vs. OLED: Kampf der TV-Technologien
Der erbitterte Konkurrenzkampf der beiden koreanischen Riesen tobte freilich auch schon vor den 8K-Fernsehern, für die es ohnedies wohl erst in etlichen Jahren native Inhalte geben wird. Aktuell setzen die beiden Hersteller auf zwei grundverschiedene Bildschirmtechnologien. LG baut zwar auch LED-TVs, ist aber insbesondere als alleiniger Marktführer bei OLED-TVs populär, die mit selbstleuchtenden organischen Dioden reichlich Kontrast, strahlende Farben und sattes Schwarz darstellen können. Samsung konzentriert sich bei OLED-Panels derweil auf Smartphones undsetzt bei Fernsehern auf die bewährte LCD-Technik, die man mit einer zusätzlichen farbverstärkenden Quantenpunkt-Schicht und lokal dimmbarer LED-Hintergrundbeleuchtung versehen hat, um OLED paroli zu bieten.

LG sieht in „QLED“ irreführende Werbung
Zur Verwirrung der Kunden hat Samsung dafür den Marketingbegriff „QLED“ erfunden, der freilich keine neue Bildschirmtechnologie, sondern eine Weiterentwicklung der LED-Fernseher darstellt. Die Ähnlichkeit des Markennamens „QLED“ mit der Technologiebezeichnung OLED hat LG laut 4kfilme.de in Korea Ende September dazu veranlasst, bei der Fair Trade Commission (FTC) eine Beschwerde wegen irreführender Werbung zu deponieren. Samsung hatte wiederum OLED-TV-Besitzern auf YouTube ein Testvideo zur Verfügung gestellt, das den Fernseher auf Einbrenneffekte prüfen soll - und zum Umstieg auf „QLED“ rät.

Jede TV-Technik hat Vor- und Nachteile
Beide Technologien haben in der Praxis ihre Vor- und Nachteile. OLED-Fernseher überzeugen mit exzellenter Bildqualität und unerreichtem Schwarz, sind aber nicht so hell wie ihre LED-Rivalen und gelten auch als nicht so langlebig. Vor allem das sogenannte Einbrennen von Senderlogos und anderen statischen Inhalten gilt bei OLED-TVs als Problem und sorgt immer wieder für Reklamationen. Die LED- bzw. in Samsungs Fall „QLED“-Konkurrenz unterliegt OLED insbesondere bei der Schwarzdarstellung, gilt dafür aber als langlebig und bewährt - und hat durch die höhere maximale Helligkeit in tageslichthellen Wohnzimmern die Nase vorn.

Beide Technologien haben also Schwächen - und könnten ihrerseits in einigen Jahren von einer derzeit noch im Experimentalstadium befindlichen Technologie abgelöst werden: den sogenannten Micro-LED-TVs. Die erzeugen Bilder mithilfe winziger Leuchtdioden. Weil die wie OLEDs selbstleuchtend sind, sich bei der Schwarzdarstellung also abschalten, sollten sie OLED-ähnliche Bildqualität erzielen, gleichzeitig aber hell und langlebig sein. Bis auf einen Prototyp, den Samsung auf Messen zeigt, gibt es hier allerdings noch keine marktreifen Fernseher.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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