Taliban-Boss

Mehsud droht drei Monate nach seinem “Tod” USA

Ausland
03.05.2010 15:42
Die Zweifel am angeblichen Tod von Hakimullah Mehsud konnten nie richtig ausgeräumt werden. Als Mitte Jänner eine US-Rakete im Stammesgebiet Shaktoi an der pakistanisch-afghanischen Grenze einschlug, sollte dabei auch der Anführer der pakistanischen Taliban-Bewegung TTP ums Leben gekommen sein - zumindest nahmen dies Washington und Islamabad an. Doch nun wettert der Totgeglaubte in einem - als authentisch eingestuften - Video wieder munter gegen die USA.

Die "New York Times" meldete, die Regierungen in Washington und Islamabad gingen davon aus, dass Mehsud seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Die US-Geheimdienste bestätigten den Tod aber nie, und die Taliban bestritten den Verlust der Führungsfigur vehement.

Nun meldet sich Mehsud wieder zu Wort: In einem Video droht er mit vernichtenden Anschlägen gegen die USA. Die Botschaft wurde offenbar Anfang April aufgenommen, fast drei Monate nach dem angeblichen Ableben des Taliban-Führers. Das auf die Beobachtung islamistischer Internetseiten US-Unternehmen IntelCenter bezeichnete das Video am Montag als authentisch. Bereits in der vergangenen Woche hatte der pakistanische Geheimdienst eingeräumt, Mehsud habe den Drohnenangriff wahrscheinlich doch überlebt.

Todesmeldung "eine Propaganda der Ungläubigen"
Auf den Aufnahmen wettert Mehsud mit Bart und langen Haaren gegen die USA und seine westlichen Verbündeten, neben ihm stehen zwei bewaffnete und maskierte Männer. "Die Zeit ist nah, dass unsere Kämpfer die amerikanischen Staaten und ihre wichtigsten Städte angreifen", sagt Mehsud in der knapp neunminütigen Botschaft. Die Meldungen über seinen Tod nannte er "eine unverhohlene Lüge und Propaganda der Ungläubigen".

Mehsud hatte im August 2009 die Führung der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) übernommen, nachdem sein Vorgänger, Baitullah Mehsud, bei einem Drohnenangriff getötet worden war. Trotz der Namensgleichheit waren sie nicht miteinander verwandt, doch Baitullah spielte eine wichtige Rolle beim rasanten Aufstieg des jungen Islamisten in den Führungszirkel der Taliban. Hakimullah Mehsud schwor Rache - und seine Kämpfer hielten Pakistan wenige Wochen später mit einem 20-stündigen Sturmangriff auf das militärische Hauptquartier des Landes in Rawalpindi in Atem.

Vornamen geändert: "Der über Wissen verfügt"
Geboren wurde der Taliban-Führer vor rund 31 Jahren als Jamshed Mehsud in dem kleinen Bergdorf Kotkai in dem Stammesgebiet Süd-Waziristan. Als Junge half er im Lebensmittelgeschäft seines Vaters aus, radikalisiert wurde er vermutlich wie viele junge Menschen aus der Region in einer Religionsschule. Nach einem Treffen mit Baitullah Mehsud soll er sich den Taliban angeschlossen haben, seinen Vornamen änderte er zu Hakimullah, übersetzt: "Der über Wissen verfügt". 2004 wurde er Sprecher des damaligen TTP-Chefs, vier Jahre später kommandierte er die Rebellen in drei der sieben Bezirke in den Stammesgebieten.

Hakimullah Mehsud machte sich einen Namen mit wagemutigen Angriffen auf NATO-Konvois, die Nachschub nach Afghanistan brachten. Außerdem soll er in Afghanistan auf Seiten der Taliban gegen US-Truppen gekämpft haben. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP, der ihn zwei Mal getroffen hatte, beschreibt ihn als theatralischen Waffennarren. Mitten während eines Interviews schoss Mehsud mit seiner Pistole wild in die Luft.

Selbstmordattentate und Bombenanschläge durch TTP
Mehr als 1.200 Menschen kamen in Pakistan bei Selbstmordattentaten und Bombenanschlägen ums Leben, seit Mehsud an die Spitze der TTP rückte. Dabei nahm die TTP auch immer häufiger Zivilisten ins Visier. Zum besonderen Feind der USA wurde Mehsud, als er in einem Video an der Seite eines jordanischen Doppelagenten zu sehen war, der sich Ende Dezember auf einem US-Stützpunkt in Afghanistan in die Luft sprengte und sieben CIA-Agenten mit in den Tod riss.

Nach dem Drohnengriff vom Jänner, der ihm gegolten hatte, entschied sich Mehsud offenbar, für einige Zeit unterzutauchen. Nun zieht er nicht nur mit seinem Lebenszeichen die Aufmerksamkeit des US-Militärs wieder auf sich. Die TTP bekannte sich auch zu dem versuchten Anschlag am Samstagabend in New York, als auf dem Times Square eine Autobombe fehlzündete. Die US-Behörden gehen mittlerweile aber von einem Einzeltäter aus.

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