Peinlicher Patzer
Premier Brown nach Mikro-Panne vor dem politischen Aus
In dem Gespräch mit der 65 Jahre alten Frau, die laut eigenen Angaben der Labour-Partei ihr Leben lang treu gewesen ist, ging es um Steuern, die britische Verschuldung und Immigration. Dabei gab sich der Premier betont freundlich und verabschiedete sich nach der fünfminutigen Plauderei noch mit den Worten: "Nett, Sie kennengelernt zu haben."
"Sie ist so eine scheinheilige Frau"
Seinen verhängnisvollen Kommentar gab Brown dann ab, als er sich bereits wieder ins Auto gesetzt hatte - mit dem eingeschalteten Mini-Mikrophon des TV-Senders Sky. Zu einem Mitarbeiter sagte er: "Das war ein Desaster. Man hätte mich niemals mit dieser Frau zusammenbringen sollen. Wessen Idee war das? Es ist einfach lächerlich." Auf die Frage des Mitarbeiters, was die Rentnerin denn gesagt hätte, meinte der Premier: "Ach, alles. Sie ist so eine scheinheilige Frau, die sagt, immer für Labour gewesen zu sein. Ich meine, das ist doch lächerlich."
Noch am selben Tag entschuldigte sich Brown persönlich bei der Frau, die sich nach den Äußerungen des Premiers vor Medienvertretern "entsetzt" gegeben hatte. Nach dem Treffen erklärte der Premier dann: "Wenn sie so wollen, bin ich ein reuiger Sünder. Manchmal sagt man Dinge, die man nicht so meint, manchmal sagt man Dinge irrtümlich und manchmal, wenn man Dinge sagt, möchte man sie sehr schnell wieder ausbessern." Er habe der Frau gesagt, "dass ich einen Fehler gemacht habe, aber ich habe ihr auch gesagt, dass ich ihre Anliegen verstanden und nur manche der Worte missverstanden habe, die sie gebrauchte."
Experten: Browns Karriere ist ruiniert
Für die konservativen Tories war Browns Ausrutscher ein gefundenes Fressen, hämische Kommentare folgten umgehend. Der Fauxpas im Endspurt des Wahlkampfes ist äußerst peinlich für den Chef der Labour-Partei, der wegen seines aufbrausenden Charakters auch "Dampfwalze" genannt wird und schon öfter im Kreuzfeuer der Kritik stand.
Mit seinem neuerlichen Patzer hat Brown laut Beobachtern in nur 30 Sekunden nicht nur den Labour-Wahlkampf, sondern auch seine eigene Karriere ruiniert. Zudem passierte der Ausrutscher just vor der dritten und letzten TV-Debatte der Premier-Spitzenkandidaten am Donnerstagabend. Hochrangige Labour-Politiker räumten ein, dass der Patzer der Partei Schaden zugefügt habe und versuchten, wie Brown selbst, zu retten, was zu retten ist.
"Fürchterlicher Fehler", "sehr bedauerlich"
Innenminister Alan Johnson sagte, Brown habe einen "fürchterlichen Fehler" gemacht, die Frau sei "ganz offensichtlich nicht engstirnig". Er sei aber "sehr dankbar dafür", dass sich der Premier entschuldigt und damit prompt reagiert habe. "Gordon ist kein Monster", sagte Johnson. Auch Finanzminister Alistair Darling nannte Browns Patzer "sehr, sehr bedauerlich". Er koste Labour aber nicht die Wahl. Wirtschaftsminister Peter Mandelson räumte ein, es gebe "keine Rechtfertigung" für den Ausrutscher, gab aber zu bedenken, dass "wir alle manchmal Dinge sagen, die wir nicht meinen - und sie in dem Moment, in dem wir sie gesagt haben, schon zutiefst bedauern."
Brown-Nachfolger in den Startlöchern
Selten waren ein Wahlausgang auf der Insel kurz vor dem Urnengang noch so offen. Doch in den Umfragen liegt Labour sowohl hinter den Tories als auch hinter den Liberaldemokraten. Und nach der Meinung von Experten könnte Labour auch einen Neuanfang vertragen. In der Opposition wäre Zeit, alte Lagerkämpfe zwischen Blair- und Brown-Anhängern auszumerzen. Wer die Führung übernimmt, wenn Brown nicht mehr da sein sollte, muss allerdings noch ausgefochten werden. Schon stehen die Brüder Miliband in den Startlöchern: Mittlerweile hat Dauerkronprinz David Miliband, der jetzige Außenminister, auch von seinem jüngeren Bruder Ed, dem jetzigen Umweltminister, Konkurrenz bekommen.
"Wir beginnen mit der Bombardierung"
Was Browns Mikro-Patzer betrifft, so ist er nicht der einzige Politiker, dem derartiges passiert ist. Immer wieder sorgen Mikrofon-Pannen von Politikern für Aufsehen. Der wohl berühmteste Zwischenfall dieser Art war eine Probe des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan vor einer seiner regelmäßigen Radioansprachen. Um Stimme und Anlage zu testen, scherzte er 1984, die USA hätten die Sowjets gerade für "vogelfrei" erklärt: "Wir beginnen in fünf Minuten mit der Bombardierung." Reagan ahnte nicht, dass dies schon mitgeschnitten wurde.
Zwei Jahre später hörten Reporter, die den Präsidenten im Weißen Haus befragt hatten, beim Hinausgehen gerade noch über die Lautsprecheranlage, wie er ein ärgerliches "richtige Hurensöhne" vor sich hinmurmelte. Sie hatten ihn mit unangenehmen Fragen gelöchert.
Israel-Libanon-Konflikt ein "Scheiß"
Nicht besser erging es einem seiner Nachfolger: Bei einem Mittagessen am Rande des G8-Gipfels in St. Petersburg Mitte 2006 lästerte George W. Bush bei eingeschalteten Mikrofonen über langatmige Reden, kritisierte den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan und merkte zum Konflikt zwischen Israel und dem Libanon an, der "Scheiß" müsse bald beendet werden.
Schon im Jahr 2000 hatte Bush junior einen Mitarbeiter der "New York Times" vor offenem Mikrofon als "Riesenarschloch" bezeichnet. Vorbild war offenbar sein gleichnamiger Präsidenten-Vater, der bei ähnlicher Gelegenheit geprahlt hatte, er habe einer politischen Gegnerin bei einer Debatte "Feuer unterm Hintern gemacht".
Euroskeptische Minister als "Bastarde"
Im Gespräch mit einem Fernsehjournalisten charakterisierte der ehemalige britische Premier John Major euroskeptische Minister als "Bastarde", sich selbst als "Waschlappen". Techniker schnitten das Gespräch mit und spielten es der Presse zu.
Auch Prinz Charles' respektlose Bemerkungen über einen BBC-Korrespondenten gingen dank offener Mikrofone um die Welt: "Furchtbar, der Typ", raunte er seinen Söhnen bei einem Interview zu. "Grässliche Leute, ich kann den nicht ausstehen."
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