07.08.2019 10:15 |

Chef von Rewe:

„Handel ist nicht der Show-Hase für die Politik“

Er gehört zu den absoluten Top-Managern in der Handels-Landschaft, was er sagt, hat Gewicht. Marcel Haraszti, Österreich-Chef von Rewe International - mit 8,66 Milliarden Euro Umsatz, der mit rund 44 000 Mitarbeitern hierzulande erzielt wird -, nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Als leidenschaftlichen Händler stört es ihn, wie die Politik mit dieser so wichtigen Branche umgeht. Haraszti im O-Ton: „Egal, ob es der Kampf gegen das Plastik ist oder gegen zu viel Zucker, immer wird der Handel quasi als Show-Hase präsentiert, der dann so hüpft, wie es die Politik vorgibt. Das muss einmal ein Ende haben.“

In seiner Unternehmensgruppe schaue man schon von selbst auf möglichst viel Österreich-Anteil (man führt 94 000 heimische Artikel im Sortiment, die von mehr als 2500 Lieferanten stammen, allein durch die Bio-Marke Ja! Natürlich hat man 3100 Arbeitsplätze direkt und indirekt geschaffen). Haraszti: „Wir haben ein hundertprozentiges Bekenntnis zur österreichischen Landwirtschaft“ und man bemühe sich aktiv, auch der gesellschaftspolitischen Aufgabe gerecht zu werden, doch, so Haraszti: „Wir müssen aber auch den mündigen Kunden respektieren, der selbst entscheidet, was er will!“ Das gelte etwa in der Zucker-Thematik oder bei Fast Food („Unsere Leberkäse-Semmel oder die Extrawurst-Semmel mit dem Gurkerl sind absolute Renner“).

Handel wird von Politik nicht immer klug behandelt
Ein Beispiel sei das rigide Ladenöffnungsgesetz, das bereits 17 Jahre alt sei. Haraszti: “Die Veränderung des Konsumverhaltens haben manche Kommerzialräte, die da bremsen, nicht mitbekommen. Ich plädiere dafür, dass nur mehr solche Funktionäre in der Wirtschaftskammer tätig sein sollten, die aktiv ein eigenes Geschäft betreiben und die nicht schon vor zwanzig Jahren ihr Gewerbe stillgelegt haben ...“

Video: Haraszti zur Ausweitung der Öffnungszeiten

Aktionsanteil wird nicht berücksichtigt
Zu oft werde „der Handel für die Politik zum „bösen Handel“, man lege dieser Branche unnötig immer mehr Knüppel in den Weg. Verbote, Vorschriften, aber auch falsche Preisvergleichen mit dem Ausland würden den Handel in ein schiefes Licht rücken. Zu den Preisvergleiche der Arbeiterkammer, die stets berichten, dass Lebensmittel in Deutschland billiger wären meint der Handels-Boss: “In Österreich beträgt der Aktionsanteil bis zu 35 Prozent, das müsste man doch fairerweise berücksichtigen, geschieht aber nicht!“ Die Konsumenten wüssten das besser: “In der Politik wird nur alle vier Jahre gewählt, bei uns können die Verbraucher aber jeden Tag wählen, sie wissen das zu schätzen.“ Immer mehr bio, immer mehr regional, das sei längst, auch ohne politische Zurufe, eine Selbstverständlichkeit.

jö-Karte beweist Innovationskraft
Diese, für mehrere Handelsbetriebe geltende Kundenkarte ist innerhalb kürzester Zeit zur “größten Kundenkarte in Österreich geworden.“ Im ersten Monat haben gleich zwei Millionen (!) Ja zu jö gesagt, inzwischen ist die Zahl der Karteninhaber auf 3,2 Millionen gestiegen. Von Billa, Merkur, Bipa, Penny, Adeg über OMV, Libro, Pagro, Interio, Zgonc bis zur Bawag kann man Punkte sammeln. Haraszti: “Die Österreicher sammeln nicht nur gern, sie lösen vor allem gerne ihre Vorteilspunkte ein.“ Bei der jö-Card werde der Datenschutz akribisch eingehalten, dennoch bieten die Informationen eine Chance, noch präziser auf die Kundenwünsche einzugehen (“Das ist die Digitalisierung des stationären Handels“).

Mit den 44 000 Mitarbeitern, davon 1700 Lehrlingen, ist die Rewe-Gruppe einer der größten Arbeitgeber Österreichs: “Wir suchen derzeit für 3000 Positionen Mitarbeiter und wir könnten die Zahl der Lehrlinge auf 3000 erhöhen, würden wir sie bekommen.“ Haraszti selbst erinnert sich gern an seine Anfänge im Handel: “Das Schönste war die Feinkostabteilung, der feine Geruch von frischem Gebäck hat den Tag gleich schön gemacht.“

Handel als attraktiver Arbeitgeber
Darum kämpft er für die Anerkennung des Handels in der Öffentlichkeit. So werde man auch in Zukunft z. B. Kassierinnen brauchen: “Vielleicht nicht mehr so viele wie jetzt, dafür aber für neue Aufgaben wie die Beratung, Abwicklung oder IT, der Handel ist ein vielfältiger und attraktiver Arbeitgeber.“ Und: Wer pro Jahr 300 Millionen Euro investiert, der sichert damit auch die Zukunft: “Früher musste man eine Filiale alle 15 Jahre erneuern, heute bereits alle sieben Jahre!"

Georg Wailand, Kronen Zeitung

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