Netzwerk-Kids

“Professionelle” Freunde kümmern sich um Eltern

Wirtschaft
28.06.2004 16:51
Die Netzwerk-Kinder - jene 6- bis 14-Jährigen, die mit Handy, Internet, Computer und Kabel-Fernsehen aufwachsen - sind nach den Babyboomern der 60er Jahre und der Generation X der 80er Jahre die "digitale Aufbau-Generation". Wenn sie erwachsen sind, wird so einiges anders sein...
Der Arbeitsplatz der Zukunft wird noch mobilerund die Grenzen zwischen Job und Freizeit heben sich auf. Dasverlangt von der Netzwerkgeneration permanente Mobilität:Sie werden zu Jobnomaden. Die Trendstudie prognostiziert wenigerRoutinetätigkeiten - diese werden von digitalen Assistentenerledigt. Der Berufstätige im Jahr 2020 kann sich auf Herausforderungenkonzentrieren, die ihn wirklich fordern und bei denen er seinespeziellen Qualifikationen einsetzen kann. 
  
Neuer Job: Zeitdienstleister 
Das Jahr 2020 wird auch neue Jobs mit sich bringen:Da Berufstätige weniger Zeit für Freunde und fürdie alltäglichen Aufgaben haben, brauchen sie Hilfe. Eineneue Form der Assistenten entsteht: die "Zeitdienstleister". Siesind professionelle Freunde, die etwa die Pflege der Eltern übernehmen,Einkäufe erledigen, Partys organisieren oder mit dem Hundspazieren gehen. 
  
Protest per Kaufkraft 
Der Protest der Netzwerkkinder findet nicht mehrauf der Straße statt, sondern über ihre Kaufkraft.Sie nehmen die Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaftsehr ernst. Und sie haben immer eine Alternative zur Hand. Erwachsengewordene Netzwerkkinder wissen, dass ihre größte Machtnicht vom Stimmzettel, sondern von ihrem Geldbörsel ausgeht.Sie kaufen und unterstützen Marken, die verantwortungsvollmit Ressourcen umgehen und entziehen jenen Unternehmen ihre Kaufkraft,die sich in ihren Augen weder um Umwelt, noch um die Gesellschaftkümmern. Kommerz und Protest sind kein Gegensatz mehr - überden Konsum bzw. über die Informations-Verbreitung via Internetwird Kontrolle ausgeübt. 
  
Die "Plan-B-Generation" 
Die Art, wie nach Lösungen gesucht wird, verändertsich. Netzwerkkinder haben immer einen Plan B. Wenn Plan A nichtfunktioniert, switchen sie einfach zu einem neuen Lösungsmodell.Es scheint, als würden sie ihre Erfahrungen aus Internet-Spielenin den Alltag übertragen. Die Zeit, in der große Ideenzum Scheitern verurteilt waren, gibt es deshalb nicht mehr - dieZeit großer Ideen allerdings auch nicht. 
  
Dem Staat entziehen die Netzwerkkinder ihr Vertrauen.Sie glauben nicht mehr, dass der Staat für sie sorgen wird,sondern gehen von längeren Arbeitszeiten und von höhererEigenvorsorge aus. Das bedeutet laut Prof. Wippermann zweierlei:Die Eigenvorsorge steigt - Versicherungen und Finanzdienstleisterwerden neuen Aufwind erleben - und eigener Nachwuchs wird wiederpopulärer. 
  
Im Kuschelkurs von einer Beziehung zurnächsten 
Auf der Suche nach dem perfekten Partner gehen dieMenschen des Jahres 2020 öfter Beziehungen ein. Sie bauenrascher Vertrauen auf, verlassen Beziehungen aber auch schneller,wenn sie nicht ins Bild der perfekten Partnerschaft passen. Treusind die Netzwerkkinder zuerst sich selbst. Trotz dieses egoistischenZugangs wächst die Sehnsucht nach mehr Nähe. Familieund Freunde gewinnen an Bedeutung. Vor allem Mütter werdenimmer wichtiger: Sie gelten 2020 als Fixpunkt und AnsprechpartnerNummer 1 der flexiblen Familien. 
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