Lage eskaliert
Mindestens 19 Tote bei Unruhen in Bangkok
Unter den Toten sind laut Behörden mindestens zwei Soldaten und ein japanischer Journalist, der als Kameramann für die Nachrichtenagentur Reuters arbeitete und eine Kugel in die Brust bekam. Kurz vor seinem Tod filmte Hiro Muramoto die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Oppositionsanhängern und Sicherheitskräften im Stadtteil um die Rajdumnoen-Straße. Dort setzten Soldaten nicht nur Gummigeschosse und Tränengas ein, sondern feuerten auch mit scharfer Munition.
Nach Armeeangaben schossen aber auch mehrere Oppositionsanhänger scharf. Unter den Verletzten sind nach Militärangaben rund 60 Sicherheitskräfte. Am Abend zogen sich die Soldaten zurück, während die Regierungsgegner - trotz Ausnahmezustand - weiterhin auf der Straße blieben und auf Neuwahlen beharrten.
Gewalt eskalierte vollends
Die Auseinandersetzungen zwischen den Rothemden und der Armee waren im Laufe des Samstagnachmittags eskaliert. Die Regierung von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte Zehntausende Polizisten und Soldaten mobilisiert, um gegen die seit Wochen protestierenden Rothemden vorzugehen. An mehreren Orten der Hauptstadt bezogen Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen Stellung. Die Sicherheitskräfte setzten nach Angaben eines Armeesprechers Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein und versuchten, diese mit Warnschüssen zu vertreiben. Die Regierungsgegner schleuderten Steine auf die Soldaten oder warfen die Tränengaspatronen in die Reihen der Armee zurück.
"Rothemden" lehnen Verhandlungen ab
Die Oppositionsführer haben nach den blutigen Zusammenstößen Verhandlungen mit der Regierung abgelehnt. "Die Rothemden werden niemals mit Mördern verhandeln", sagte am Sonntag einer der Führer der Protestbewegung, Jatuporn Prompan, auf einer Kundgebung. "Es ist unsere Pflicht, die Toten zu ehren, indem wir diesem Land die Demokratie bringen."
Die Oppositionsbewegung lehnt die Regierung von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva mit der Begründung ab, diese sei ohne das Mandat einer Wahl an die Macht bekommen. Die seit einem Monat in Bangkok versammelten Rothemden - mehrheitlich Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra - verlangen die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. Die in der Symbolfarbe Rot gekleideten Demonstranten gehören vor allem der armen Landbevölkerung an, während die Regierung ihren Rückhalt in den städtischen Eliten hat.
Demonstranten haben offenbar Soldaten in ihrer Gewalt
Mehrere tausend Demonstranten strömten am Sonntag zurück in den Stadtteil an der Khao-San-Straße, der am Samstagabend von den staatlichen Einsatzkräften gesichert wurde. Dort zeugen Geschosshülsen, Steine und Blut auf der Straße von den blutigsten Zusammenstößen in der Geschichte Thailands seit 1992. Das thailändische Fernsehen zeigte Aufnahmen von Demonstranten, die einigen Soldaten in ihrer Gewalt haben. Die Behörden erließen Haftbefehle gegen 27 Führer der Protestbewegung, von denen zunächst aber offenbar keiner vollstreckt wurde.
Wiener Außenamt erhöht Warnstufe für Reisen
Das österreichische Außenministerium hat die Warnstufe für Reisen in die thailändische Hauptstadt erhöht. Nach den blutigen Zusammenstößen am Samstag besteht nun nach Einschätzung des Außenamtes ein "hohes Sicherheitsrisiko für den Großraum Bangkok". Zuvor war auf der Ministeriumshomepage von einem "erhöhten Sicherheitsrisiko" die Rede gewesen.
Es wird dringend von Aufenthalten in den von den Demonstrationen betroffenen Stadtteilen abgeraten, betont das Wiener Außenministerium. Weiterhin müsse mit einer erheblichen Beeinträchtigung des Straßenverkehrs und des öffentlichen Verkehrs in einigen Teilen der Stadt gerechnet werden.
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