"Bin kein Masochist"

Kranebitter will die Hypo in drei Jahren “flottkriegen”

Kärnten
25.03.2010 15:19
In drei Jahren soll die Hypo Alpe Adria Bank saniert sein, das ist das Ziel des neuen Vorstandsvorsitzenden Gottwald Kranebitter. Welche Geschäftsbereiche abgestoßen werden und wie viele Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, könne er noch nicht sagen.

Gefragt, ob für die Übernahme dieses Postens nicht eine gehörige Portion Masochismus notwendig sei, meinte Kranebitter: "Ich bin kein Masochist, aber es gibt in der österreichischen Wirtschaft sicher derzeit keine größere Herausforderung." Aus diesem Grund habe er auch seinen deutlich besser bezahlten Job bei KPMG aufgegeben. 

Kranebitter hat vorerst einen Dreijahresvertrag unterzeichnet, beworben für die Funktion hat er sich übrigens nicht: "Ich bin gebeten worden." Noch vor einer Woche hätte er sich nicht vorstellen können, nächster Hypo-Vorstandschef zu werden, "um ehrlich zu sein, habe ich an einen Scherz gedacht, als ich das erste Mal gefragt worden bin".

Nach der turbulenten Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend hatte es Gerüchte gegeben, die Verträge seien noch nicht unter Dach und Fach. Kranebitter dementierte diese: "Es gibt keine Ungereimtheiten über die Verträge, wir haben mit dem zuständigen Aufsichtsrat eine klare Regelung gefunden." 

Zwei Bedingungen
Kranebitter knüpfte die Annahme des neuen Jobs an zwei Bedingungen: "Erstens dass die Abstimmung einstimmig erfolgt und zweitens, dass es ein Spitzenteam sein muss. Ich wäre in keinen Vorstand, der politisch bestellt wird, gegangen." Dass einzelne Personen einer bestimmten Partei zugeordnet werden könnten, habe damit aber nichts zu tun, "wichtig ist, dass es Spitzenleute sind".

Trotz des Jahresverlustes der Bank von 1,6 Mrd. Euro sieht Kranebitter die finanzielle Situation derzeit nicht ganz so kritisch: "Mit dem Rettungspaket vom Dezember ist aus heutiger Sicht genügend Liquidität vorhanden".

Trennung von einigen Geschäftsfeldern 
Sicher ist mittlerweile, dass sich die Hypo von "einigen Geschäftsfeldern" trennen wird. Dabei geht es laut Kranebitter aber nicht darum, etwa aus dem Leasinggeschäft total auszusteigen: "Wir müssen schauen, dass wir dort, wo wir gut im Markt verankert sind, unsere Position stärken." Hingegen sei "eine Leasinggesellschaft in der Ukraine wohl eher nicht als nachhaltig erfolgreiches Modell anzusehen", meinte Kranebitter. Eine EU-Mitgliedschaft Kroatiens, die für 2012 möglich erscheint, wäre für ihn jedenfalls ein "ausgesprochen positives Signal".

Oberstes Gebot sei es nun vorerst einmal, das erschütterte Vertrauen in die Bank wiederherzustellen. Mitarbeiter und Kunden seien verunsichert, "hier muss man gegensteuern". Kranebitter: "Das ist ein ganz simpler, aber sehr wichtiger Eckpunkt meiner Arbeit." Er werde sich sehr bemühen, nicht nur bei den Bankmitarbeitern, sondern auch bei den Kunden präsent zu sein, denn vorrangig sei es einmal, das laufende Geschäft zu stabilisieren.

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