"Krone": Herr Bürgermeister, die SPÖ wirft Ihnen wiederholt Unfähigkeit vor. Dazu das Theater ums Stadion – haben Sie die Stadt nicht im Griff?
Christian Scheider: Doch. Schon. Sehr gut sogar. Man patzt mich halt derzeit an, wo's geht. Ich kann ja nix dafür, dass jetzt Dinge in Klagenfurt aufbrechen, die jahrelang unter den Tisch gekehrt wurden: die G'schichten im Rathaus, das Stadion und das Riesenloch im Budget. Ich hab' nur Großbaustellen und kein Geld für nichts.
"Krone": Durch das Gejammer wird's aber nicht besser.
Scheider: Danke, das weiß ich auch. Deswegen packe ich immer noch alles ordentlich an.
"Krone": Was denn? Es scheint nichts weiterzugehen.
Scheider: Das stimmt nicht! Da sind die Leichtathletikanlage, die Verwaltungsreform, das Tierheim, die Feuerwehrzentrale. Dass wir unter diesen Umständen überhaupt ein Budget zusammengebracht haben, ist auch ein Wunder.
"Krone": Wie ist es denn um dieses politische "Wir" bestellt?
Scheider: Mit der Kollegin Mathiaschitz schlecht. Am Vormittag hat sie Regierungsverantwortung, am Nachmittag macht sie Opposition und Parteipolitik. Das lass' ich mir nicht mehr gefallen.
"Krone": Kündigen Sie ihr jetzt die Zusammenarbeit auf?
Scheider: Wenn nochmal was ist, ja. Vielleicht will sie durch die Angriffe auf mich aber bloß von ihrem eigenen Wahldesaster ablenken. Wenn ich als einziger Kandidat am Bezirksparteitag keine 70 Prozent meiner Leute bekomme, gehe ich freiwillig – sie nicht. Das sagt eh' viel.
"Krone": Ungewohnte Töne.
Scheider: Ach, ich bin lange gutmütig, aber jetzt hau' ich auch einmal auf den Tisch und fordere: arbeiten statt streiten. In Klagenfurt ist Feuer am Dach – da ist kein Platz für verletzte Eitelkeiten, alte Rechnungen und politische Befindlichkeiten. Und wenn die Frau Mathiaschitz das nicht versteht, such' ich mir für Beschlüsse andere politische Mehrheiten. Mir wird's schön langsam zu blöd.
"Krone": Zu blöd wird's vielen auch mit dem Stadion-Theater.
Scheider: Ein bisserl Geduld noch! Es geht um die letzte Klärung, ob die Porr mit den 15,5 versprochenen Millionen Euro vom Bund das Stadion fertigstellen kann. Dann ist der Rückbau Geschichte.
"Krone": Wieder einmal.
Scheider: Nein, jetzt kommt die Entscheidung. Aber das ist alles nicht so einfach – da wurde schon vor meiner Zeit so viel gepfuscht.
"Krone": Mit dem Wissen, wie turbulent Ihre Amtszeit beginnt – würden Sie nochmals als Bürgermeister kandidieren?
Scheider: Eine schwere Frage. Manch einer sagt auf der Straße zu mir, dass er nicht in meiner Haut stecken möchte. Aber wie gesagt: Jammern nutzt nix. Außerdem ist der Job ja auch schön – wenn man was weiterbringt etwa. Oder der Kontakt mit den Menschen.
von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
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