Di, 23. April 2019

Drohender Super-GAU

Politik fordert Inspektoren für AKW-Ruine Mochovce

Als Kronzeuge der Anklage wagte sich ein Maschinenbauingenieur aus der Deckung und enthüllte die gefährlichen Sicherheitslücken in Mochovce. Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) verlangt jetzt volle Aufklärung und eine „sofortige Überprüfung der Anlage“ durch unabhängige Atominspektoren.

Verzweifelt und mit 62 Sicherheitsberichten hatte sich der 58-jährige Maschinenbauingenieur Mario Zadra an seine Vorgesetzten gewandt. Doch statt auf seine massiven Bedenken einzugehen, wurde der unbequeme Atomexperte gefeuert.

„Die Situation ist überhaupt nicht unter Kontrolle“
„Während der gerade laufenden Inbetriebnahme-Phase werden Tests ohne Kernbrennstoff am Reaktor 3 durchgeführt. Dabei kam und kommt es zu Kabelbränden, zum Bruch von Ventilen im Primärkreislauf und zu vielen anderen Problemen. Die Situation ist chaotisch und überhaupt nicht unter Kontrolle. Und das 93 Tage vor der geplanten Inbetriebnahme des Reaktors“, schlägt Zadra Alarm (siehe auch Video oben). Seine Befürchtungen haben umso mehr Gewicht, als er bei der Errichtung von Atommeilern in Rumänien, der Slowakei und Argentinien nukleare Erfahrungen sammeln konnte.

„Das Projekt wird durch weiteren Pfusch verschlechtert"
Die berechtigten Sorgen, wie sie auch Whistleblower Adam K. (Name geändert) beim Geheimtreffen mit der „Krone“ ans Licht brachte: „Durch die vielen undurchschaubaren Veränderungen ist die Reaktor-Baustelle mittlerweile nicht mehr als Originalprojekt zu erkennen. Doch anstatt dieses zu verbessern, wird es durch weiteren Pfusch verschlechtert!“

Der Talk über das „Krone“-Geheimtreffen mit dem Whistleblower:

Versprochene Umweltverträglichkeitsprüfung blieb aus
Wenn der slowakische Reaktor 3 in 93 Tagen in Betrieb geht, ist also das Schlimmste zu befürchten. Zumal es - wie die beiden Global-2000-Experten Reinhard Uhrig und Patricia Lorenz massiv kritisieren - die von der Slowakei den Österreichern versprochene Umweltverträglichkeitsprüfung nie gegeben hat.

Köstinger: Für mich ist klar - so geht es nicht!
Die sich von Stunde zu Stunde überschlagenden Alarmmeldungen rufen daher auch neuerlich Umweltministerin Köstinger auf den Plan. Sie fordert besorgt von ihrem Amtskollegen Laszlo Solymos sowie Wirtschaftsminister Peter Ziga „umgehend Aufklärung und eine Überprüfung der Vorwürfe“! Und sogar eine veritable diplomatische Krise steht im Raum: „Für mich ist klar - so geht es nicht! Wenn diese Berichte den Tatsachen entsprechen, können diese Reaktoren nicht ans Netz gehen. Ich fordere eine sofortige Überprüfung der Anlage.“ Das soll etwa durch unabhängige Atominspektoren wie im Atomstreit mit dem Iran geschehen.

Empört reagieren auch die EU-Spitzenkandidaten von SPÖ und FPÖ, Andreas Schieder und Harald Vilimsky. Sie fordern einen sofortigen Baustopp bzw. ein Verbot der Inbetriebnahme!

Daten und Fakten:

  • Seit 34 Jahren wird am Reaktorblock 3 gebaut. Vieles ist mit Sowjet-Technik aus den Siebzigerjahren zusammengestückelt, nichts aus einem Guss, der die Sicherheit gewährleisten könnte.
  • Experten verlangen trotz der Kostenexplosion von 2,4 Milliarden auf 5,4 Milliarden Euro einen kompletten Neubau.
  • Die Schrott-Reaktoren liegen etwa 100 Kilometer von der österreichischen Grenze und 200 Kilometer von Wien entfernt.
  • Das Volldruck-Containment, das bei einem Unfall radioaktive Stoffe zurückhält, fehlt! Dazu kommt die unzureichende Versorgung mit Kühlwasser.
  • Auch gegen Flugzeugabstürze gibt es keinen Schutzschild.

Mark Perry und Christoph Matzl, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Ab nach Deutschland
Fix! Oliver Glasner wechselt vom LASK zu Wolfsburg
Fußball National
Mit 79 Jahren
Celtic-Legende Billy McNeill gestorben
Fußball International
„An Seite des Feindes“
Neue IRA bekennt sich zu Mord an Journalistin
Welt
„Themen, die bewegen“
krone.at-Talk mit Katia Wagner startet auf n-tv
Medien
Surf-Fans aufgepasst!
Wir verlosen eine Trainingseinheit mit Alex Wippel
Gewinnspiele
„Game of Thrones“
Aufreger-Szene: Selbst „Arya“ glaubte an Scherz
Video Stars & Society

Newsletter