26.03.2019 16:51

Global-2000-Experte:

Bau des AKW Mochovce „ist völlig außer Kontrolle“

Noch rund drei Monate sind es bis zur Inbetriebnahme des nur 150 Kilometer von Wien entfernten slowakischen Atomreaktors Mochovce 3. Seit 1985 wurde an dem umstrittenen AKW gebaut, mehrere Whistleblower und geleakte Dokumente belegen schwere technische Mängel. Am Dienstag war deshalb Global-2000-Atomsprecher Reinhard Uhrig zu Gast im krone.tv-Studio und warnte: „Der Bau des Uralt-Reaktors ist vollkommen außer Kontrolle!“

„Reaktoren dieses Typs stehen auch in anderen Ländern herum, werden aber auf Druck der Anti-Atom-Bewegung zunehmend vom Netz genommen. Das Projekt in Mochovce wurde 1985 noch in Sowjetzeiten begonnen. Es gibt mittlerweile die Techniker, die Erfahrungen mit dieser russischen Technik haben, nicht mehr“, sagte Uhrig im Studio bei Moderator Gerhard Koller.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion sowie einem jahrelangen Baustopp habe das Projekt eine Italienische Firma, „die noch nie ein Atomkraftwerk gebaut und keinerlei Know-how in diesem Bereich hat“, übernommen. Auch seien alte Pläne verloren gegangen, vieles gleiche einem Schildbürgerstreich, der sich vor unserer Haustür abspiele.

Sicherheitsstandards wie „bei besserem Einkaufszentrum“
Moderne Reaktoren der dritten Generation verfügen im Gegensatz zum Modell in Mochovce über eine Hülle rund um den Reaktordruckbehälter. Dieser könne „wenigstens in irgendeiner Form eine Kernschmelze aufhalten“. Mochovce sei nichts weiter „als eine Stahlbetonhalle wie ein besseres Einkaufszentrum“.

„Bau vollkommen außer Kontrolle“
Auf die Frage, wie der Bau einer derartigen Anlage in einem EU-Land wie der Slowakei möglich ist, antwortete Uhrig, die slowakische Atomaufsicht würde mit fünf Mitarbeitern, die permanent auf der Baustelle sind, zwar ständig überprüfen, „der Bau ist aber so vollkommen außer Kontrolle, dass die Betreibergesellschaft und die Baufirma die Aufsicht anlügen“. Die fünf Mitarbeiter der Atomaufsicht seien zu wenig und „können nur punktuell prüfen“.

In Mochovce soll noch ein vierter Reaktor kommen
Uhrig ist der Ansicht, dass die Mängel derart gravierend sind, dass sie gar nicht mehr behoben werden können: „Und dieser Reaktor droht Anfang Juni in Betrieb zu gehen.“ Um das noch zu verhindern, könne man als Einzelperson auch auf der Website von Global-2000 aktiv werden. Damit sei aber noch nicht Schluss, denn es sei auch noch ein vierter Reaktor in Mochovce geplant, während weltweit der Trend längst von Atomkraft wegführe. 

 krone.at
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