01.04.2019 10:23 |

Im Mittelmeer

Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge stark gesunken

Die Zahl der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Laut einer aktuellen Statistik kamen heuer bis Ende März 289 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 2299 gewesen - im Vergleich zu noch 5143 Todesopfern im Jahr 2016.

Laut dem deutschen Online-Portal „Statista“, einer der größten Statistikdatenbanken der Welt, stieg die Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge 2014 (3283) und 2015 (4054) bis zum Höchstwert 2016 (5143) stark an, seit damals geht sie jedoch kontinuierlich zurück. So wurden im Jahr 2017 im Mittelmeer 3139 Todesopfer gezählt, bis die Zahl im Vorjahr mit 2299 einen vorläufigen Tiefstand erreichte.

Heuer wurden bis zum 28. März „erst“ 289 Todesopfer gezählt, was allerdings auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass vor allem im Februar aufgrund der schlechten Wetterbedingungen im Mittelmeerraum weit weniger Ankünfte in Italien und Spanien gezählt wurden als noch im Jänner.

Migranten-Zustrom unverändert hoch
Insgesamt allerdings strömen über die Routen im Mittelmeer nach wie vor unverändert viele Migranten auf illegalem Weg in die EU. Laut der Grenzschutzagentur Frontex wurden alleine in den ersten beiden Monaten des Jahres - die Zahlen für März liegen noch nicht vor - rund 11.800 Grenzübertritte festgestellt. Damit liegt die bisherige Bilanz in etwa auf Vorjahresniveau.

Auf den Hauptmigrationsrouten fällt dabei eines besonders auf: Im Gegensatz zur zentralen Mittelmeeroute zwischen Libyen und Italien kamen über das westliche Mittelmeer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit mehr als 4900 Migranten gleich um 83 Prozent mehr Menschen nach Spanien, vor allem aus Marokko.

Allerdings: Nach Angaben von Frontex reisten die meisten Migranten über die östliche Mittelmeerroute in die EU. Dort verzeichnete die Agentur seit Jahresbeginn fast 5500 illegale Grenzübertritte, wobei die Route besonders oft von Migranten aus Afghanistan und der Türkei gewählt wurde.

Frontex wird nur langsam ausgebaut
Angesichts dieser Zahlen beschloss die EU in der Vorwoche einen Ausbau von Frontex auf bis zu 10.000 Grenzschützer. Kritik setzte es allerdings daran, dass die Aufstockung noch Jahre dauern wird: Die Truppe soll bis 2027 schrittweise von derzeit rund 1500 auf bis zu 10.000 Einsatzkräfte erweitert werden. Die EU-Kommission hatte auf Druck der Mitgliedsstaaten eigentlich vorgeschlagen, schon 2020 so weit zu sein. Nun soll der Ausbau aber erst 2021 beginnen und stufenweise erfolgen.

EU stoppt Mittelmeer-Mission „Sophia“
Zudem hat die EU ihren Marineeinsatz im Rahmen der Operation „Sophia“ vor der libyschen Küste gestoppt und wird dort nun keine Migranten mehr aus Seenot retten. Hintergrund ist die Forderung Italiens, gerettete Flüchtlinge auf die EU-Staaten zu verteilen. Darüber konnte auf EU-Ebene keine Einigung erzielt werden. Jetzt will die Europäische Union vorerst nur noch Luftaufklärung gegen Schlepperbanden betreiben und libysche Küstenschützer ausbilden.

UNHCR fordert neue Rettungsinitiative
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR forderte daher am Wochenende neue Maßnahmen zur Rettung von Menschen aus Seenot. „Es braucht mehr Schiffe, egal, wer sie stellt - in den Gewässern zwischen Libyen und Europa, dort wo Menschen ertrinken“, sagte der Vertreter von UNHCR in Deutschland, Dominik Bartsch, der „Welt am Sonntag“. Die Seenotrettung sei „ein humanitärer und rechtlicher Imperativ, der in internationalen Übereinkommen festgeschrieben ist“.

Bartsch nannte die Entscheidung der EU-Mitgliedsstaaten zum Aus für „Sophia“ einen „bedrückenden Rückschlag für ein Europa der Humanität“. Eine Seemission ohne Schiffe „bedeutet, das Meer denen zu überlassen, die Europa bekämpfen wollen, und jene dem Meer zu überlassen, die in Europa Schutz suchen“.

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