01.04.2019 09:49 |

Bis nach China:

9000 Kilometer per Rad

Burgenländer (53) trat entlang der alten Seidenstraße bis nach China kräftig in die Pedale - fünf Monate voller Strapazen und Abenteuer ...

Das ist Doping für die Seele! Rein aus Begeisterung für sportliche Herausforderungen und der Neugierde für fremde Kulturen schaffte ein Burgenländer das ganz Besondere. Edwin Schmidt aus Strebersdorf radelte von daheim mehr als 9000 Kilometer bis nach Xinjiang in China. „Früher bin ich viel mit dem Motorrad gereist, was nach wie vor eine Leidenschaft ist. Bei einer Tour mit dem Fahrrad lässt sich die Welt aber völlig anders erleben“, sagt der Techniker. Entsprechend groß waren die Überraschungen, die auf den 53-Jährigen warteten. Schon nach 120 Kilometern am ersten Tag mit seinem 70 Kilo schweren Koloss von Rad kam ein Bad im wohlig-warmen Thermalwasser von Hévíz in Ungarn wie gerufen. Munter ging es weiter an den Balaton-See und später in die benachbarten Staaten. Ein Grenzübertritt nach dem anderen folgte. „Jedes neue Land ist wie ein neues Buch, das aufgeschlagen wird“, verrät Schmidt.

Wo Russion Vodka die Herzen öffnet
Offenen Herzen und Türen begegnete der Sportler aus dem Burgenland während der ganzen Tour. Einladungen ergaben sich wie überall in Kasachstan, allerdings mit besonderem Beigeschmack. Die Gastfreundschaft ist dort hochprozentiger. Russian Vodka statt Chay (Tee) lautet die Devise. „Kasachstan wurde damit zum gefährlichsten Land meiner Reise. Die Gefahr, als radelnder Ausländer an der Kasse eines Greißlerladens zu einigen Bechern Vodka überredet zu werden, war riesengroß“, schildert Edwin Schmidt augenzwinkernd. „Dawai, Dawai“, die nachdrückliche Aufforderung zum Austrinken, inbegriffen.

Wölfe und Terror als Gefahren
Auf der spektakulären Tour entlang der alten Seidenstraße hatte Schmidt immer wieder mental und physisch stark belastende Etappen mit bis zu 150 Kilometern ohne jede Versorgungsmöglichkeit zu meistern. Doch auch vor wilden Tieren wurde er gewarnt. Im Dorf Anzob in Tadschikistan mahnten ihn mehrmals Einheimische zur Vorsicht. Er solle im Ort übernachten, denn oben in den Bergen gäbe es Wölfe, hieß es. „Die Warnungen kamen zu früh. Ich wollte noch so viele Höhenmeter wie möglich zurücklegen, um am nächsten Tag einen Pass zeitgerecht zu erreichen“, sagt Schmidt. Für den Fall, dass er tatsächlich auf Wölfe treffen sollte, hatte er sich einen Stock zur Verteidigung zugelegt. Besonders beunruhigend war für den Weltenbummler eine Schreckensmeldung. In Tadschikistan hatte es einen Terroranschlag auf ausländische Radfahrer gegeben. Auf dem Pamir-Highway, genau auf Schmidts Route, waren sie von einem Auto niedergefahren und mit Messern attackiert worden. Vier Tote! „Ich beschloss, meinem Bauchgefühl zu vertrauen“, erklärt der Burgenländer. Kurz vor der Stadt Danghara passierte er den Tatort. „Einwohner haben eine Gedenktafel samt Kondolenzschreiben für die Ermordeten errichtet“, erzählt er.

Viele Strapazen
Die Tour verlangte dem Sportler körperliche Höchstleistungen ab. Gar nicht gut sah es etwa aus, als der Radler Chorugh, Hauptstadt der autonomen Provinz Berg Badachschan, erreichte. „Da ging es richtig zur Sache. Ich musste bei Kälte und Schnee die Hochgebirgswüste des Alichur-Plateaus in Höhen zwischen 3500 und 4000 Metern überwinden“, berichtet er. Aber der Burgenländer schaffte alles. Der 4365 Meter hohe Kulma-Pass war die letzte Hürde auf dem Weg nach China - per Fahrrad!

Das Schwierigste
.) die extrem steilen Straßen der türkischen Schwarzmeerküste, wo Edwin Schmidt das vollbepackte Fahrrad über mehrere Tage und Hunderte Kilometer hochschieben musste
.) 1500 Kilometer bei starkem Gegenwind durch die langgezogenen Wüsten in Kasachstan und Usbekistan
.) geschwächt von schlechtem Essen und Dehydration, verließen den Radfahrer auf dem Weg zum 3372 Meter hohen Anzob-Pass in Tadschikistan beinahe die Kräfte
.) die Überquerung eines mehr als 4000 Meter hohen Passes im Pamir bei Schneesturm und vereister Straße

Das Berührendste
.) die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sehr vieler Menschen ein Mann jenseits des Bosporus, der zwei Einkaufssäcke voller Lebensmittel verschenkte: „Welcome to Turkey!“
.) Isaar, Ölarbeiter in Kasachstan, und seine Familie luden zur Übernachtung und zum Abendessen in ihr Haus ein
.) eine Obstverkäuferin in Usbekistan, die eine Wassermelone aus ihrem Sortiment hergab - aber ohne Bezahlung
.) der Besitzer eines kleinen Hotels in Tadschikistan, der zur Feier einlud und kein Geld fürs Übernachten annahm
.) die Einreise von Tadschikistan nach China über den Kulma-Pass (4365 m)

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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