Do, 21. März 2019
15.03.2019 23:59

Visitator berichtet

„Diözese Gurk befindet sich im Ausnahmezustand“

Der mit Spannung erwartete 50 Seiten umfassende Visitationsbericht zur Lage der katholischen Kirche in Kärnten ist fertig. Erzbischof Franz Lackner spricht zum Abschluss von Kränkungen und Enttäuschungen. Auch wirtschaftliche Mängel werden im Bericht bestätigt. Bis es eine Entscheidung gibt, kann es noch dauern.

Er sei mit seinem Team so vorurteilsfrei wie möglich an die schwierige Aufgabe herangegangen, betonte Lackner am Freitag bei einer Pressekonferenz in Salzburg. Dabei fand der Oberhirte klare Worte: „Was das Vertrauen betrifft, befindet sich die Diözese Gurk im Ausnahmezustand!“

Seine Tätigkeit sei sogar für ihn selbst belastend für Seele und Herz gewesen. „Manche haben gesagt, sie hätten Angst, ihre Heimat in der Kirche zu verlieren.“

Die Details des Berichts bleiben allerdings weiterhin geheim. Auch zum Schutz der Gekränkten, die Teil des Berichtes sind.

Bei der Pressekonferenz wurde daher nur ein Gesamteindruck skizziert.

Der Vorarlberger Bischof Benno Elbs - er war Teil des Visitationsteams - berichtete etwa, dass klärende Gespräche nicht mehr möglich gewesen seien. „Wir wissen alle, dass die Macht von Kränkungen groß ist. Es entstand eine unbewusste Dynamik. Jetzt geht es um die Frage: Wie kann in Kärnten ein guter Weg weitergegangen werden?“

Verzeihen und Versöhnen sei der letzte Schritt, wenn Kränkungen passieren, so Elbs.

In den 50 Seiten des Berichtes werden aber auch wirtschaftliche Mängel im Mensalgut angesprochen. Dabei handelt es sich um jene Vermögensmasse, die nicht der Diözese, sondern dem Bischof direkt gehört.

Dafür wurden unzählige Sitzungsprotokolle und Rechtsgeschäfte gesichtet.

Vorschläge, die über Wien nach Rom geschickt werden, könnten jetzt sogar die Gesetzeslage weit über Kärnten hinaus reformieren.

Der Grazer Caritas-Direktor Herbert Beiglböck ergänzt aber auch: „Es kam in keiner Weise zu einer missbräuchlichen Verwendung von Kirchenbeiträgen.“ Eine generelle wirtschaftliche Gefährdung sehen die Prüfer ebenfalls nicht.

Lackner selbst rechnet damit, dass der Bericht nicht ohne Konsequenzen bleiben werde. Auf die Frage, ob Bischof Schwarz nun zurücktreten müsse, verwies er darauf, dass die personellen Entscheidungen nun bei Rom liegen würden. Das könne aber dauern, da aktuell 30 Visitationen in der Kirche laufen.

Der Erzbischof kann sich übrigens eine anonymisierte Veröffentlichung des Berichtes vorstellen - das allerdings erst am Ende des Verfahrens.

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann

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