14.02.2019 12:30 |

Schwester erstochen

Ehrenmord: Es bleibt bei lebenslanger Haft

Er hat seine Schwester getötet, um die Ehre seiner afghanischen Familie wiederherzustellen. Dafür wurde der 22-Jährige im vergangenen August in Wien zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Anwalt des Afghanen wollte nun eine Strafmilderung erwirken. Das Oberlandesgericht machte am Donnerstag aber kurzen Prozess: In einer 20-minütigen Verhandlung wurde das Urteil bestätigt - es bleibt also bei der lebenslangen Haft.

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hatte bereits Ende Oktober 2018 die Nichtigkeitsbeschwerde des Mannes zurückgewiesen. Der Schuldspruch des Wiener Landesgerichts für Strafsachen wegen Mordes vom August 2018 ist seither rechtskräftig. Am Donnerstag hatte das OLG zu klären, ob dem Vorbringen von Verteidiger Nikolaus Rast entsprochen wird, der sich für eine Strafmilderung starkgemacht hat. Seine Kollegin, Anwältin Susanne Kurtev, betonte bei der Verhandlung am Donnerstag, ihr Mandant sei jung, unbescholten und geständig gewesen.

Heimtücke als Erschwerungsgrund
Der Senat war allerdings der Überzeugung, dass aus generalpräventiven Gründen die Strafhöhe nicht geändert werden könne. Eine solche „archaische, patriarchalische Struktur hat bei uns keinen Platz“, sagte Senatsvorsitzende Natalia Frohner in ihrer Urteilsbegründung. Als Erschwerungsgrund wurde die Heimtücke hinzugefügt. Der junge Mann habe seine Schwester in einen Hinterhof gelockt und sie mit mehreren Messerstichen regelrecht niedergemetzelt, sagte Frohner.

Der spätestens am 29. Mai 1996 geborene Täter - er selbst behauptet, er wäre am 1. Jänner 1999 zur Welt gekommen („Dieses Alter wurde mir von meinen Eltern gesagt“), wurde dabei aber vom anthropologischen Gutachter widerlegt - hatte mit einem Kampfmesser mit einer Klingenlänge von rund 20 Zentimetern auf seine 17 oder 18 Jahre alte Schwester eingestochen. Er fügte ihr insgesamt 28 bis zu acht Zentimeter tiefe Schnitt- und Stichwunden zu, wovon mehrere für sich genommen tödlich waren. Die junge Frau hatte nicht die geringste Überlebenschance.

Mädchen flüchtete mehrmals vor Familie
Das Mädchen war im Juli 2017 in ein Krisenzentrum nach Graz geflüchtet, nachdem es zu Hause wiederholt zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Ihr Vater und - angeblich auf dessen Anweisungen hin - der ältere Bruder sollen sie geschlagen haben. Die Schülerin lehnte sich immer stärker gegen die väterlichen Vorgaben - sie durfte ohne Begleitung nicht außer Haus und musste Kopftuch tragen - auf. Auch einen ersten Freund dürfte es bereits gegeben haben.

Auf Bitte ihrer Familie kehrte sie schließlich nach Hause zurück. Die Lebensumstände dürften sich dort jedoch nicht gebessert haben. Am 14. September - und damit vier Tage vor ihrem Tod - flüchtete das Mädchen erneut, diesmal in ein Krisenzentrum in Wien. Den Betreuern erzählte sie, sie hätte Angst vor ihrer Familie. Ihr Vater wolle mit ihr nach Afghanistan fliegen, um sie gegen ihren Willen zu verheiraten.

Am 18. September passte sie dann ihr älterer Bruder in der U-Bahn-Station Reumannplatz ab, als sie in die Schule gehen wollte. Seinen Angaben zufolge wollte er sie überreden, wieder nach Hause zu kommen. Als die Schwester nicht mit sich reden ließ und ihm einen Stoß versetzte, zog er in einem Innenhof in der Puchsbaumgasse ein Messer und tötete sie.

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