"Gekaufte" Identität

Großer Betrug von Asylwerbern mit falschen Pässen

Kärnten
12.02.2010 09:29
Der Schwindel mit Dokumenten boomt! Immer mehr Asylwerber beschaffen sich falsche Identitäten, eröffnen damit Konten, schließen Handy-Verträge ab und kaufen Autos. Aktueller Fall: Ein Algerier lebte und arbeitete in Kärnten – mit einem gekauften Pass um 185 Euro.

Im Februar 2008 wurde sein Asylantrag offiziell abgelehnt. Statt in die Heimat zurückzukehren, fuhr der Mann nach Wien, um in einer Station der U-Bahnlinie U4 einem Afrikaner 185 Euro und ein Passbild zu geben. Nur wenige Tage später gab es dafür einen neuen französischen Reisepass samt neuer Identität.

Mann erhielt eine E-Card
"Damit eröffnete der Mann ein Konto, ging arbeiten, erhielt eine E-Card, ließ sich im Landeskrankenhaus Klagenfurt wegen einer Verletzung behandeln und alles, obwohl er eigentlich gar nicht mehr in Österreich sein durfte", berichtet ein Kripo-Ermittler.

Der Algerier ist kein Einzelfall. Alleine im Jahr 2008 konnte das Bundeskriminalamt 214 Asylwerber aufdecken, die sich mit gefälschten Papieren ausgewiesen hatten. Die Dunkelziffer dürfte um vieles größer sein.

"Drei oder vier Alias-Namen"
"Wir kommen immer erst drauf, dass sich ein Asylwerber unter falschem Namen hier aufgehalten hat, wenn sein Verfahren negativ ausgeht", kennt Flüchtlingsbeauftragter Gernot Steiner das Problem:  "Einige haben gleich drei oder vier Alias-Namen. Um aber einen Asylwerber abschieben zu können, brauchen wir von der Botschaft ein Heimreisezertifikat, das uns oft nicht ausgestellt wird, weil der Abzuschiebende in diesem Land gar nicht bekannt ist. Und ohne ein Heimreisezertifikat kann niemand abgeschoben werden. Was bedeutet: Die Grundsicherung bleibt aufrecht."

Gefälschte Pässe sind größtes Sicherheitsrisiko
Für Interpol sind gefälschte Reisepässe das größte Sicherheitsrisiko und auch die Kripo in Kärnten verzeichnet einen enormen Anstieg von Fälschungen. "Wir prüfen aktuell jährlich mehr als 1.000 gefälschte Führerscheine, Personalausweise sowie Reisepässe", so ein Kripo-Ermittler im "Krone"-Gespräch: "Die Personen können damit leicht untertauchen oder missbrauchen mit mehreren Identitäten die Grundsicherung in gleich mehreren Ländern."

von Hannes Wallner, "Kärntner Krone"

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