"Im Gegensatz zu anderen Unternehmen hat Microsoft nie ein echtes System für Innovation entwickelt. Einige meiner ehemaligen Kollegen argumentieren sogar, dass es in Wirklichkeit ein System entwickelt hat, um Innovationen zu verhindern", erklärte der ehemalige Top-Manager. Microsoft habe etwa die Entwicklung des Tablet-PCs oder des E-Book-Readers, aber auch die Einführung populärer Webdienste wie Facebook oder von Musikanwendungen wie iTunes verpasst.
Als Grund dafür sieht Brass vor allem interne Konkurrenzkämpfe. Denn während oft begeisterte Unterstützung aus der Chefetage vorhanden sei, legten sich Spartenchefs immer wieder quer. Bei der Entwicklung eines Tablet-PCs im Jahr 2001 habe z. B. der Office-Chef erklärt, er möge die Eingabe mit einem Stylus nicht, sondern wolle auch in Zukunft auf die Tastatur setzen. Das Ergebnis sei in der umständlichen Bedienbarkeit des Geräts zu Tage getreten.
Auch andere Projekte wie die Entwicklung von "Cleartype" (Implementierung von Subpixel-Rendering) sei von Abteilungschefs sabotiert worden. Deshalb habe die Integration des Systems noch weitere zehn Jahre auf sich warten lassen.
Auf die Vorwürfe des Ex-Vizepräsidenten antwortete Microsoft auf dem Blog des Unternehmens. Dort hieß es, dass vor allem Innovationen für den Massenmarkt wichtig wären und nicht das Tempo, in dem neue Entwicklungen erfolgten.
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