Kinder verschleppt

Angeklagte US-Bürger bleiben in Haiti in Haft

Ausland
06.02.2010 14:13
Die zehn wegen Kindesentführung in Haiti angeklagten US-Bürger müssen vorerst im Gefängnis bleiben. Ein Richter lehnte einen Antrag auf Haftverschonung der fünf Männer und fünf Frauen am Freitag (Ortszeit) ab, wie deren Anwalt Edwin Coq sagte. Den Mitgliedern der Gruppe wird vorgeworfen, dass sie 33 haitianische Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und 14 Jahren ohne Genehmigung außer Landes bringen wollten.

Die beschuldigten Baptisten sollen nun in zwei verschiedenen Gefängnissen für Männer und für Frauen untergebracht werden. Sie wurden vor etwa einer Woche an der Grenze zur Dominikanischen Republik festgenommen. Gegen sie wurde wegen der Entführung Minderjähriger und der Bildung einer kriminellen Gruppe Anklage erhoben.

Bill Clinton: "Kein Verhandlungsmandat"
Der zur besseren Koordinierung der internationalen Hilfen in Haiti eingetroffene frühere US-Präsident Bill Clinton sagte, die Regierungen der USA und Haitis seien mit dem Fall der angeklagten US-Bürger befasst. Er selbst habe kein Mandat, über eine Freilassung zu verhandeln, sagte der UNO-Sondergesandte in Port-au-Prince.

Viele der Kinder haben noch Angehörige
Die US-Organisation New Life Children's Refuge betonte die guten Absichten ihrer verhafteten Mitglieder. Die Kinder seien nach dem Erdbeben vor rund drei Wochen Waisen geworden oder auf sich gestellt. Inzwischen stellte sich allerdings heraus, dass viele der Kinder noch Eltern oder Angehörige haben.

Außenministerin Hillary Clinton hatte vor der Anklageerhebung in Washington gesagt, ungeachtet der Beweggründe der US-Bürger sei es bedauerlich, dass die Gruppe in diese Sache verwickelt sei. Die US-Regierung rede mit den haitianischen Behörden darüber, welche Maßnahmen angemessen seien.

"Das Risiko von Kinderhandel ist erheblich"
Das Kinderhilfswerk UNICEF steht in Haiti vor seiner bislang größten Herausforderung in Sachen Kinderschutz. Grund seien die vielen Kinder, die durch das Erdbeben zu Waisen wurden oder den Kontakt zu ihren Eltern verloren hätten, sagte die Vize-Generaldirektorin Hilde Johnson in Genf. "Das Risiko von Kinderhandel, dem Verkauf von Kindern als Sklaven oder illegaler Adoption ist erheblich", warnte sie.

Fast 40 Prozent aller Haitianer seien unter 14 Jahre alt, und schon vor dem Erdbeben hätten 300.000 Kinder in Waisenhäusern gelebt, von denen 50.000 keine Eltern mehr gehabt hätten. Durch das Beben sei die Zahl der unbeaufsichtigten oder von ihren Eltern getrennten Kinder erheblich gestiegen, sagte Johnson, ohne genaue Zahlen nennen zu können.

Spanien will mit Gen-Tests Familien zusammenführen
Spanien will in den kommenden Tagen bei Kindern in Haiti Gen-Tests vornehmen, damit beim Erdbeben auseinandergerissene Familien wieder zusammengeführt werden können. Die DNA-Tests sollten die Kinder auch vor Menschenhändlern schützen, erklärte die Staatssekretärin für Internationale Kooperation, Soraya Rodriguez. Geräte für die DNA-Tests und Experten würden in den kommenden Tagen nach Haiti geschickt.

Vorgesehen sei, Speichel- oder Blutproben von zunächst 6.000 haitianischen Kindern und Erwachsenen zu nehmen. Daraus solle eine DNA-Datenbank erstellt werden, die den haitianischen Behörden bei der Familienzusammenführung helfen könne, sagte Rodriguez am Montag bei einem Treffen mit dem haitianischen Botschafter in Spanien. Dieser schätzt, dass es 400.000 Kinder in Haiti gibt, die derzeit ohne ihre Eltern sind.

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