Buchautor enthüllt

Agenten verkaufen CIA-Tricks an US-Börsianer

Ausland
04.02.2010 16:41
Die Zeiten werden härter - und somit steigt auch an der Börse der Druck, sich gegenüber seinen Konkurrenten jeden noch so winzigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. In den USA nehmen deswegen immer mehr Banker, Broker und Fonds die Hilfe von CIA-Agenten in Anspruch. Sie verraten nebenberuflich, wie man seine Geschäftspartner durchschaut - und noch so manch anderen Trick. Und das ist noch nicht einmal illegal.

Eamon Javers heißt der Washington-Insider, der in seinem Buch die jüngsten Praktiken enthüllt. "Die geheime Welt der Firmenspionage" nennt sich sein Werk, das in der kommenden Woche in den USA erscheint. Vorab wurden bereits einige Passagen veröffentlicht, wie der "Spiegel" berichtet. Und immer wieder wird in dem Buch deutlich: CIA-Agenten verraten großen Unternehmen Geheimdienst-Techniken, damit die Banker ihre Geschäftspartner besser einschätzen können und ihren Konkurrenten somit eine Nasenlänge voraus sind.

Und das alles mit Wissen und Billigung der CIA. Mit der Möglichkeit zu einem legalen Zubrot sollen Spionage-Talente in der Behörde gehalten werden, die sonst wegen der höheren Gagen in die freie Wirtschaft abwandern könnten.

Hoch im Kurs bei den Unternehmen steht vor allem das sogenannte Tactical Behaviour Assessment (TBA), die Verhaltensanalyse von Gesprächspartnern. Quasi als menschliche Lügendetektoren nehmen Verhör-Spezialisten incognito an Firmenmeetings teil und analysieren das Benehmen der anderen Seite. Treten Unstimmigkeiten auf oder gibt es gar Grund zur Annahme, dass das Gegenüber lügt, schlagen sie Alarm. Auf diese Weise können "faule" Deals ebenso enttarnt werden wie falsche Quartalszahlen oder lügende Bewerber.

Eigene Firma vermarktet Spionage-Wissen
Sogar eine eigene Firma hat sich mittlerweile gegründet, um den Firmen geheimdienstliche Beratungsleistungen anzubieten. Offenbar in Anlehnung an die CIA nennt sich das Unternehmen BIA - Business Intelligence Advisors. Das Motto der Schnüffler lautet: "Entdecke, was andere übersehen". Welche Beratungsleistungen das Portfolio im Detail umfasst, ist allerdings nicht bekannt. Angeblich beschäftigt die Firma derzeit keine CIA-Agenten mehr - doch früher standen sie offenbar in Massen auf den Gehaltslisten.

US-Politiker können dem Nebenerwerb ihrer Spitzel nicht viel Gutes abgewinnen, schon gar nicht in einer Zeit, in der das Terror-Risiko wieder steigt und sich die CIA massiv auf die Abwehr von Anschlägen konzentrieren sollte. "Ich bin beunruhigt", sagt Demokratin Dianne Feinstein, Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat. Und der bekannte Republikaner Pete Hoekstra fordert gar eine Untersuchung der Enthüllungen. "Das halte ich für absolut angemessen."

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