50 Zeugen bei Prozess
Mordanklage gegen Münchener S-Bahn-Schläger
Der nun zur Anklage kommende Fall erregte damals internationales Aufsehen und trat in Deutschland eine Zivilcourage-Debatte los. Der Prozess werde frühestens in zwei oder drei Monaten beginnen können, hieß es vom zuständigen Richter Reinhold Baier - und er wird wohl Wochen dauern. In der Anklage sind mehr als 50 Zeugen benannt, außerdem Rechtsmediziner, Psychologen und Psychiater. "Wir prüfen, ob wir sie alle brauchen", sagte Baier. Er rechne aber nicht mit einem kurzen Prozess.
Das Verfahren gegen einen dritten Beschuldigten wurde abgetrennt: Der damals 17-Jährige soll dabei gewesen sein, als die Kinder bedroht wurden, nicht aber bei dem tödlichen Überfall. Ihm werden gefährliche Körperverletzung und versuchte räuberische Erpressung vorgeworfen. Alle drei waren schon vorher bei der Polizei bekannt. Sie hatten teils gestohlen, erpresst oder geschlagen, auch Drogenbesitz gehörte bei einem von ihnen zu den Delikten. Die beiden Jüngeren waren seit Monaten im Haus einer Suchthilfeeinrichtung untergebracht.
Brunners Erbe: Zivilcourage-Initative und Stiftung
Der Tod Brunners hatte deutschlandweit Entsetzen ausgelöst und auch international hohe Wellen geschlagen. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hatte Brunner für seine Zivilcourage posthum mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Nach seinem Tod riefen Freunde und Wegbegleiter die Initiative "Münchner Courage" und die Dominik-Brunner-Stiftung ins Leben, die sich nun für ein mutiges Engagement gegen Gewalt nach seinem Vorbild einsetzen. Im Dezember folgten in München rund 3.000 Menschen dem Aufruf der Organisationen und gingen für Zivilcourage auf die Straße.
Weiterer S-Bahn-Überfall
Ebenfalls am Donnerstag wurde bekannt, dass in der Münchener S-Bahn schon wieder ein Mann von Jugendlichen misshandelt wurde. Das 58 Jahre alte Opfer liegt mit zahlreichen Verletzungen seit einer Woche im Krankenhaus. Nach den Schlägern, die etwa 18 Jahre alt sind, wird gefahndet. Die Tat wurde bereits vergangenen Freitag am S-Bahnhof in Eching verübt, wurde aber erst am Donnerstag von der Bundespolizei in München gemeldet.
Der 58-Jährige war nachmittags mit der S-Bahn von Freising nach Eching gefahren und wollte nach Hause gehen. Zwar waren rund 20 weitere Fahrgäste mit ihm ausgestiegen, sie hatten den Bahnhof aber schneller als er verlassen. In einer Unterführung sprachen vier junge Männer das Opfer an. Sie forderten 50 Euro, um sich Alkohol kaufen zu können, wie sie sagten. Doch der Mann hatte nur acht Euro bei sich.
Zwei der Täter schlugen daraufhin auf Kopf und Oberkörper des 58-Jährigen ein. Er erlitt mehrere blutende Wunden am Kopf und Blutergüsse am Rücken sowie am rechten Arm. Die Schläger rannten davon.
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