Weltklimakonferenz
Österreich erhält den Negativpreis “Fossil of the Day”
Erfreuliche Neuigkeiten gab es aus den Vereinigten Staaten: Die mächtige Umweltbehörde EPA stufte plötzlich Treibhausgase offiziell als "gesundheitsschädlich" ein. Damit könnte Präsident Barack Obama künftig notfalls auch ohne Zustimmung des bisher zögernden US-Kongresses den Ausstoß von Kohlendioxid regulieren. Diese Entwicklung wurde in Kopenhagen begrüßt. Obama hat angekündigt, nach Kopenhagen zu reisen.
Wärmstes Jahrzehnt seit 1850
Schlechte Nachricht kam allerdings von den Meteorologen (Welt-Meteorologen-Vereinigung WMO): Das zu Ende gehende erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends ist aller Voraussicht nach das wärmste seit Beginn detaillierter Messungen (etwa ab 1850) - wärmer auch als die 1980er- und die 1990er-Jahre. 2009 dürfte das fünftwärmste Jahr seit Beginn der Messungen werden.
Gleichzeitig zeigt sich laut einer Studie mit Daten des deutschen Rückversicherers Munich Re (1990 bis 2008), sehr arme Länder wie Bangladesch, Burma, Jemen, Vietnam und die Philippinen besonders stark durch Naturkatastrophen betroffen sind. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sprach sich für eine "Tobin-Steuer" von 0,005 Prozent auf Finanztransaktionen weltweit aus, um Geld für den Klimaschutz in den Entwicklungsländern aufzutreiben.
Erfreuliche Bilanz für Wien - Negativpreis an Österreich
Positiv schneidet allerdings Wien in seiner Ökobilanz ab. In einer von Siemens am Dienstag präsentierten Untersuchung ist in Europa Kopenhagen die umweltschonendste Metropole, dann folgen, Stockholm, Oslo, Wien und Amsterdam.
Auf der anderen Seite erhielt Österreich gemeinsam mit Schweden und Finnland am ersten Gipfeltag einen "Negativpreis" von mehreren hundert Umweltorganisationen (z.B. GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF), weil es eine gemeinsame Position der EU-Staaten für die Anrechnung von Wald als Klimaschutz blockiert habe. Der "Fossil of the Day"-Preis wird laut den Organisatoren in der Form eines dampfenden Topfes mit darin "kochender" Weltkugel den jeweiligen Botschaften der betroffenen Länder in Berlin überreicht.
Hier die wichtigsten Zahlen zur Klimakonferenz:
12 Jahre ist es her, dass im japanische Kyoto ein Klimaabkommen unterzeichnet wurde, das der Erderwärmung entgegenwirken sollte. Tatsächlich aber hat sich die Lage seitdem verschlimmert. Der Klimawandel ist für alle ersichtlich - gestritten wird auch immer weniger darüber, ob er tatsächlich vom Menschen verursacht ist. Die Kyoto-Vorgaben laufen 2012 aus. Bis dahin soll ein Nachfolgeabkommen festgelegt sein.
Um 0,4 Grad haben sich die Durchschnittstemperaturen seit dem Kyoto-Jahr 1997 auf der ganzen Welt nach oben verändert. Seit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls im Dezember 1997 ist der Gehalt des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre um 6,5 Prozent angestiegen, die weltweiten CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe kletterten zwischen 1997 und 2008 um 31 Prozent.
Um 25 bis 40 Prozent müssten die Kyoto-Staaten ihren CO2-Ausstoß unter das Niveau von 1990 setzen, um bis 2020 einen Temperaturanstieg von insgesamt zwei Grad Celsius zu verhindern. Gleichzeitig sollen die Entwicklungsländer ihre Emissionen um 15 bis 30 Prozent verringern, um ihren Anteil an dem weltweiten Kampf gegen die Erderwärmung zu leisten, fordern Klima-Experten. Um diese Eckdaten wird bei der Konferenz gefeilscht. Die derzeitigen Hauptverursacher von CO2-Emissionen sind die USA, China und Indien. Die USA haben das Kyoto-Protokoll übrigens nie ratifiziert.
Bei einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen um 4 Grad liegt laut Klimaforschern die Grenze, an der Kontinente beginnen auszudörren. Jede zweite Spezies würde in den nachfolgenden Jahrzehnten aussterben. Mit den aktuellen Klimaschutzzielen der einzelnen Länder steuert die Welt auf eine Erwärmung um 3,5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts zu.
1,1 Millionen Quadratkilometer Eisfläche sind seit dem Kyoto-Jahr in der Arktis geschmolzen. Von 1993 bis 1997 war das Meeres-Eis am Nordpol im Sommer durchschnittlich auf eine Fläche von 4,3 Millionen Quadratkilometer geschrumpt. In den vergangenen fünf Jahren waren jeweils nur noch weniger als 3,2 Millionen Quadratkilometer übrig. Eine Fläche so groß wie Alaska ging verloren.
1,5 Billionen Tonnen Land-Eis hat Grönland seit dem Jahr 2000 verloren. In der Antarktis waren es seit 2002 eine Billion Tonnen. In Grönland schmilzt das Eis inzwischen doppelt so schnell wie vor sieben Jahren. Die Gletscher schrumpfen inzwischen dreimal schneller als in den 1970ern, im Schnitt sind es 7,6 Meter seit 1997.
Zwischen 4,3 bis 12 Milliarden Euro würde ein umfassendes Programm zum Stopp der Regenwaldabholzung im Amazonas bis 2020 kosten. Die brasilianische Regierung will die Abholzung im Amazonas-Gebiet bis zum Jahr 2020 immerhin um 80 Prozent verringern. Als Vergleichszeitraum dienen die Jahre 1996 bis 2005, in denen durchschnittlich eine Fläche von 19.500 Quadratkilometern Regenwald pro Jahr vernichtet wurde. Die Soja-Farmer und die Rinderzüchter sind die Hauptverantwortlichen für die Abholzung.
10 Milliarden Dollar sollen reiche Länder bis 2012 an Sonderhilfen für klimafreundliche Technologien in ärmeren Ländern bereitstellen, fordern UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Als wichtigstes Ziel für ein Klimaabkommen bis zum Konferenzabschluss am 18. Dezember nannte Ban, dass ein politisches Übereinkommen in Zukunft auch juristisch bindend vereinbart werden müsse.
Null Ergebnisse wünscht sich der dänische Statistiker und ehemalige Greenpeace-Aktivist Bjørn Lomborg von COP15. Der Grund: Aus seiner Sicht kosten die Investitionen zur CO2-Reduktion ein Vielfaches von dem, was sie dem Klima letztendlich bringen. 53 Milliarden Euro, die Deutschland in ein Solar-Förderungsprogramm buttert, halten den Klimawandel um eine Stunde auf, schreibt Lomborg in einem Kommentar für den "Spiegel". Stattdessen würde ein investierter Euro in Forschung und Entwicklung einen Klimawandel-Schaden im Wert von 11 Euro verhindern. Er fordert, massiv Geld in Öko-Technologien zu investieren. "Seit Politiker 1992 in Rio de Janeiro das erste Mal versprachen, Kohlendioxid einzusparen, haben wir 20 Jahre ohne Fortschritt verschwendet. Dafür haben wir keine Zeit mehr", so Lomborg.
Gipfel selbst verursacht 40.500 Tonnen CO2
Und schließlich die Zahlen über den Gipfel selbst: Mehr als 15.000 Menschen verursachen während der Konferenz mindestens 40.500 Tonnen Kohlendioxid. Der bei weitem größte Teil davon entsteht durch die An- und Abreise. Die Delegierten wurden daher dazu aufgerufen, Leitungswasser zu trinken, damit nicht sie nicht so viel Plastikflaschen verbrauchen. In den Hallen stehen Wasserspender, das Wasser wird allerdings in Plastikbecher gefüllt. Sie sollen auch Öffis nutzen, zusätzlich gibt es magere 200 Leihfahrräder.
Da das alles aber nicht reicht, hat sich Dänemark verpflichtet, 700.000 Euro für ein Klimaschutzprojekt in Bangladesch auszugeben, das die CO2-Emissionen der Konferenz vollständig neutralisiert.







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