Di, 11. Dezember 2018

Lieber System stärken

09.03.2018 11:50

Kanadische Ärzte wehren sich gegen Gehaltserhöhung

Das Wiener Gesundheitssystem plagt sich mit massiven Problemen: Eine nicht enden wollende Gangbetten-Diskussion, das Totalversagen rund um das Krankenhaus Nord in Wien und ein in Salzburg geplanter - und vielleicht bald österreichweiter - Rauchstopp für Klinik-Angestellte stößt Personal und Patienten sauer auf. In Quebec (Kanada) hingegen wehren sich Mediziner gegen ihre Verdienstsituation. 700 Allgemeinärzte und Fachärzte haben eine Petition unterzeichnet - denn sie wollen keine Gehaltserhöhung!

Die Médecins Québécois pour la Régime Public (or MQRP) ist eine Gruppe von etwa 500 Ärzten, Klinikpersonal und Medizinstudenten, die sich der Erhaltung des universellen Charakters des Gesundheitssystems in Quebec verschrieben hat. Eine nun geplante Gehaltserhöhung der hiesigen Landesregierung in Höhe von 700 Millionen kanadischen Dollar wollen sie umverteilen: Das Geld soll nicht ihrem persönlichen Gehaltskonto, sondern dem Gesundheitssystem zukommen und in die Anstellung von Krankenschwestern und anderes Hilfspersonal investiert werden. Pflege soll so zugänglicher und leistbarer für Patienten werden.

„Nur unser Gehalt immun gegen Kürzungen“
„Diese Erhöhungen sind umso schockierender, als dass unsere Krankenschwestern, Angestellten und andere Fachkräfte mit sehr schwierigen Arbeitsbedingungen konfrontiert sind, während unsere Patienten aufgrund der drastischen Kürzungen in den letzten Jahren keinen Zugang zu erforderlichen Dienstleistungen erhalten“, so die Petition der Mediziner. Es gäbe immerhin zahlreiche Kürzungen im Land, Patienten wie Personal hätten immer öfter mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen. „Das Einzige, das immun zu sein scheint, ist unser Gehalt“, zitiert der Nachrichtensender „CNN“ die Gruppe.

Auch Krankenschwestern rebellieren
„Wir, Ärzte aus Quebec, die an ein starkes, öffentliches System glauben, widersetzen sich den jüngsten Lohnsteigerungen, die von unseren medizinischen Verbänden ausgehandelt wurden“, so die auf Französisch verfasste Petition. Laut der Tageszeitung „The Washington Post“ habe auch eine Krankenschwesterngewerkschaft die Regierung dazu gedrängt, einen Pflegekräftemangel anzugehen und ein Gesetz zu formulieren, welches die Anzahl der Patienten pro Pflegekraft festlege. Diese Forderung wurde unter anderem von Sitzstreiks begleitet.

„Habe Angst vor der Last, die mich dort erwartet“
Zusätzliches Öl ins Feuer gegossen wurde von der Krankenschwester Émilie Ricard. Diese hatte Ende Jänner nach einer anstrengenden Nachtschicht ein Foto von sich gepostet, welches sie vollkommen erschöpft und mit Tränen in den Augen zeigt. Ricard habe sich in ihrer Dienstzeit als einzige Krankenschwester um mehr als 70 Patienten kümmern müssen und war schlussendlich so gestresst, dass Krämpfe sie am Einschlafen hinderten. „Ich will nicht wieder zurück, weil ich Angst habe vor der Last, die mich dort erwartet“, schrieb sie unter das Facebook-Foto, welches in 48 Stunden über 50.000 Mal geteilt wurde. „Voici le visage des soins infirmiers.“ („So sieht das Gesicht der Pflege aus“), fügte sie an.

Bei Gaetan Barrette, Gesundheitsminister von Quebec, sorgt die von den Ärzten geforderte Petition nur für Achselzucken: „Wenn sie sich überzahlt fühlen, sollen sie es einfach am Tisch liegen lassen. Ich garantiere, dass ich eine gute Verwendung dafür finden werde.“ Das Ministerium könne die Erhöhungen nicht mehr rückgängig machen – es sei denn, die Mehrheit der Ärzte würde dafür stimmen. Für den Einzelnen würde eine Gehaltserhöhung etwa ein Plus von 1,4 Prozent bedeuten.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig

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