Sa, 18. August 2018

Hoffen auf Olympiaboom

03.03.2018 16:03

Fukushima: Ein Havarie-Akw als Touristenattraktion

Mehr Besucher und ein besseres Image: Das erhofft sich der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks im japanischen Fukushima von den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. Seit der Nuklearkatastrophe am 11. März 2011 war der Zugang zum Gelände nur einer Handvoll Experten, Abgeordneten, Regierungs- und Medienvertretern gestattet - das soll sich nun ändern.

Damals hatte ein heftiges Seebeben einen Tsunami ausgelöst, der die Nordostküste Japans verwüstete, mehr als 18.000 Menschen tötete und den schlimmsten Nuklearunfall seit Tschernobyl 1986 verursachte. Mit dem Rückgang der Strahlenbelastung in den meisten Bereichen des Kraftwerks stiegen die Besucherzahlen allmählich an. Inzwischen lässt die Betreiberfirma Tepco auch Gruppen von Anrainern, Botschaftsvertretern und Schülern aufs Gelände, doch noch keine Einzelbesucher.

Doppelt so viele Besucher bis Olympia 2020?
Die Zahl der Besucher für das Geschäftsjahr bis März 2017 stieg auf rund 10.000. Bis 2020, wenn Tokio zum zweiten Mal nach 1964 Olympia-Gastgeber sein wird, möchte der Betreiber die Zahl verdoppeln, wie Takahiro Kimoto von Tepco betonte: „Wir wollen nicht die Botschaft aussenden, dass es sicher ist. Uns ist wichtiger, dass die Leute sehen, was hier wirklich vor sich geht, ohne Vorurteile. Die Inspektionen werden dazu beitragen, die Region wiederzubeleben und den Imageschaden zu reduzieren.“ Auch Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) seien willkommen. Das Unternehmen sei nicht nur für die Wiederbelebung der Region verantwortlich, sondern sollte zukünftigen Generationen auch als mahnendes Beispiel dienen.

Olympisches Baseball in Fukushima
Um die Region mit neuem Leben zu füllen, wird Fukushima während der Olympischen Spiele die Baseball- und Softballwettbewerbe ausrichten. Tepco hofft zudem, Teams im Rahmen der Rugby-WM 2019 in einem Fußballtrainingszentrum zu beherbergen, das derzeit den Arbeitern als Unterkunft dient.

Strahlenbelastung weiter enorm
Auf dem Kraftwerksgelände sind Dekontaminierungsarbeiten im Gange. Tausende Arbeiter bekommen warme Mahlzeiten, nutzen die Duschen und können Einkäufe für den täglichen Bedarf tätigen. Doch die Strahlenbelastung ist in den Gebieten rund um die drei geschmolzenen Reaktoren weiter extrem hoch, was den Abbau der Anlage verlangsamt - der Prozess wird wohl Jahrzehnte dauern. Verdrehte Stahlträger und vom Tsunami und Wasserstoff-Explosionen eingerissene Wände sind Zeugnisse der Katastrophe.

Aktuell wird auf dem Dach des havarierten Reaktors Nummer drei eine gigantische Stahlkuppel gebaut, um zu verhindern, dass bei der Überführung der nicht weniger als 560 Brennstäbe aus dem darunter liegenden Wasserbecken an einen externen Lagerplatz Strahlung austritt. Die größte Herausforderung sei die hohe Strahlenbelastung, sagt Daiskue Hirose, ein Vertreter des Kraftwerks: „Wir müssen die Strahlenbelastung für die Arbeiter senken, aber das verhindert lange Einsätze da oben.“

Aufräumarbeiten kosten 150 Milliarden aufwärts
Die Gesamtkosten für Stilllegung, Dekontaminierung und Entschädigungszahlungen könnten sich Schätzungen zufolge auf umgerechnet 157 Milliarden Euro belaufen. Tepco rechnet mit einer Zeitspanne von 30 bis 40 Jahren.

 krone.at
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