16.02.2018 21:11 |

Versagen eingeräumt

FBI wusste schon vor Wochen von Cruz' Massakerplan

Vor sechs Wochen rief ein Bekannter des Massenmörders von Parkland im US-Bundesstaat Florida beim FBI an, erzählte, dass der 19-jährige Nicolas Cruz Menschen töten wolle und Waffen horte - doch die Ermittler gingen dem Hinweis nicht nach. Am Freitag, zwei Tage nachdem Cruz in einer Highschool in Florida 14 Kinder und drei Erwachsene niedermetzelte, räumte die Bundesbehörde ihr Versagen ein.

Am 5. Jänner ging der Anruf beim FBI ein, wie die Behörde am Freitag bekannt gab. Der Anrufer habe den Ermittlern von verstörenden Postings Cruz‘ auf Social-Media-Seiten berichtet und dass der spätere Massenmörder davon gesprochen habe, Menschen töten zu wollen. Seiner Einschätzung nach sei das nicht nur leeres Gerede gewesen – zumal der 19-Jährige auch Waffen hortete. Bilder davon postete der 19-Jährige unter anderem auf seinem Instagram-Profil, wie man nun weiß.

Der Anrufer sprach dem Statement zufolge auch dezidiert von einem Angriff auf eine Schule – was sich sechs Wochen später, am 14. Februar, als blutige Wahrheit herausstellen sollte. Verhindert wurde der eiskalte Massenmord nicht – denn der Anruf wurde nie weitergegeben, es gab deshalb auch keine Ermittlungen. Warum der Anruf nicht sofort als Hinweis zu einer möglichen Lebensbedrohung eingestuft wurde, wurde nicht ausgeführt, nur so viel: Es sei ein Standardprotokoll verletzt worden, erklärte FBI-Chef Christopher Wray und sagte weiters, man bedaure zutiefst den zusätzlichen Schmerz, den die Angehörigen der Opfer nun erlitten.

Bereits im September geschrieben: "Ich werde ein Profi-Schul-Schütze sein"
Dies wäre bereits die zweite Möglichkeit gewesen, eines der folgenschwersten Massaker an einer Schule in den USA zu verhindern: Bereits im September hatte Cruz die Tat anonym im Internet angekündigt. "Ich werde ein professioneller Schul-Schütze sein", schrieb er in einem Beitrag auf YouTube. Leser meldeten das dem FBI, das daraufhin Datenbanken sichtete und andere Überprüfungen vornahm, den Verfasser der Nachricht aber nicht identifizieren konnte.

Feueralarm ausgelöst und auf die Fliehenden gefeuert
Der 19-Jährige hatte am Valentinstag kurz vor Schulschluss die Marjory Stoneman Douglas High School, auf die er vor Kurzem noch selbst gegangen und von der er aus Disziplinargründen geflogen war, betreten und einen Feueralarm ausgelöst. Mit einer halbautomatischen Waffe im Stil einer AR-15 schoss er auf die Schüler und Lehrer, die wegen des Alarms aus den Klassenzimmern kamen. 17 von ihnen – 14 Kinder und drei Erwachsene – starben im Kugelhagel.

Video: Der Massenmörder von Parkland

Nach dem Blutbad zu McDonald's
Auch nach dieser schrecklichen Tat blieb der 19-Jährige eiskalt: Er warf Waffe und Rucksack mit weiterer Munition weg, mischte sich unter die Fliehenden und entkam so vom Tatort. Dann kaufte er sich in einem Subway-Restaurant ein Getränk und setzte sich in eine McDonald's-Filiale. 40 Minuten später wurde er verhaftet, nachdem die Polizei ihn anhand von Videos aus der Schule identifiziert hatte.

Video: Der 19-jährige Amokläufer von Florida vor Gericht

Adoptivmutter erst im November an Grippe-Folgen gestorben
Nach Darstellung von Mitschülern sowie Verwandten und Nachbarn hatte der junge Mann seit längerer Zeit psychische Probleme und galt als auffällig. Nach dem Tod seiner Adoptivmutter, die im November Komplikationen nach einer Grippererkrankung erlegen war, lebte er seit einigen Monaten bei der Familie eines Mitschülers. Das AR-15-Schnellfeuergewehr, mit dem er das Blutbad verübte, hatte er im Vorjahr ganz legal in Florida gekauft.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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