Deutschland-Wahl
Experten erwarten Zitterpartie für Schwarz-Gelb
Die klare Aussage der Forschungsgruppe Wahlen überraschte vor dem Hintergrund knapper Umfrageergebnisse bei allen Instituten und deren Fehlprognosen vor vier Jahren, als alle bis zuletzt von einem Sieg für Union und FDP ausgingen. Auch in den vergangenen Wochen war der Vorsprung von Schwarz-Gelb auf ein Minimum geschrumpft.
Wahlkampf wenig spektakulär
Allerdings verlief der Wahlkampf weniger spektakulär als vor vier Jahren. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel vermied nahezu jede Konfrontation mit der SPD und setzte vor allem auf ihren Amtsbonus und ihre Beliebtheit. Dennoch lagen CDU und CSU zuletzt in Umfragen lediglich bei dem schwachen Ergebnis von 2005 von gut 35 Prozent. Ihr Wunschpartner FDP aber wird weiterhin auf einem Spitzenwert klar über zehn Prozent gesehen. Forsa-Chef Manfred Güllner rechnet mit einer Zitterpartie für Union und FDP, die am Wahlabend erst nach Auszählung der Überhangmandate zu deren Gunsten entschieden werden könnte.
Der Politikexperte Gerd Langguth hält dagegen erneut eine große Koalition für möglich: "In den letzten Tagen vor der Wahl hat erfahrungsgemäß die Sozialdemokratie immer noch aufgeholt", sagte er zu Reuters. "Offensichtlich bekennen sich auch bei der sogenannten Sonntagsfrage potenzielle SPD-Wähler geringer als Wähler anderer Parteien zu ihrer Partei." Am Ende entscheide womöglich die Zahl der Überhangmandate.
"Bild": Planspiele bei SPD für große Koalition
In der SPD gibt es laut "Bild"-Zeitung Überlegungen, wonach Spitzenkandidat Steinmeier in einer großen Koalition nicht wieder Außenminister, sondern Fraktionschef werden könne. Spätestens 2011 solle er auch Parteichef werden, um 2013 bessere Chancen für einen erneuten Angriff auf das Kanzleramt zu haben. Laut "Bild" wäre Finanzminister Peer Steinbrück Favorit für das Auswärtige Amt. Gegen ihn spräche sein oft wenig diplomatisches Auftreten in der Öffentlichkeit. Allerdings könnte Steinbrück den Posten als Vizekanzler in einer großen Koalition auch als Finanzminister ausüben.
Aus der SPD hieß es, vor der Wahl werde viel spekuliert. Gleichzeitig wurde die Variante mit Steinmeier als dauerhaftem Fraktionschef nicht völlig von der Hand gewiesen, da dieser dann nicht mehr dem Kabinettszwang unterläge und sich von einer Kanzlerin Merkel absetzen könnte. Steinmeier könne sich womöglich bereits in der ersten Sitzung der neuen Abgeordneten am Dienstag auf jeden Fall zum Fraktionschef wählen lassen, um mit diesem Vertrauensbeweis in mögliche Koalitionsverhandlungen zu gehen. Bei einem Wechsel in die Regierung müsste er den Posten wieder abgeben. Zuletzt gab es vermehrt Hinweise, dass Steinmeier auch in der Opposition Fraktionschef werden will.
62,2 Millionen Deutsche wahlberechtigt
Aufgerufen sind am Sonntag 62,2 Millionen Wahlberechtigte, 300.000 mehr als vor vier Jahren. Von ihnen dürfen 3,5 Millionen zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl Erst- und Zweitstimme abgeben. Wahlforscher schließen nicht aus, dass die Wahlbeteiligung auf einen neuen Tiefststand fällt. Vor vier Jahren lag sie bei 77,7 Prozent, dem niedrigsten Wert bei Bundestagswahlen.
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