09.01.2018 22:02 |

Protest blieb aus

Zur Demo gegen die JVP kam nur die Polizei

Am Dienstagabend mussten 60 Polizisten zum Schikaneder in den 4. Bezirk ausrücken. Der Anlass ist beschämend: Weil die Junge Volkspartei die Kino-Bar für ihren Neumitgliederempfang mietete, empörten sich politisch links orientierte Gäste, riefen zur großen Demo auf – und kamen am Ende nicht.

Was für eine Posse! Nachdem bekannt wurde, dass die Junge Volkspartei das Schikaneder gemietet hat, prallte auf das Lokal eine Hasswelle im Internet. Von linken Gästen hagelte es wüste Beschimpfungen, weil man die JVP unterstütze. Schwer zu verdauen für Lokalchef Johannes Wegenstein: „Das Schikaneder ist seit 22 Jahren ein Freiraum für Offenheit und Toleranz“, sagt er.

Absage erst kurz vor Beginn
Parallel zur JVP-Feier sollte Dienstagabend dann sogar eine Gegendemo stattfinden. Der Veranstalter „Freiraum zurück“ rief auf Facebook dazu auf. Wegen eines Formalfehlers erteilte die Polizei keine Genehmigung, der Veranstalter gab aber an, trotzdem mit 200 Personen kommen zu wollen. Am Ende rückten nur die Polizei und die Medien an. Wenige Minuten vor Beginn sagte der Veranstalter die Demo auf Facebook auch ab: wegen Schikanen der Polizei gegen linke Proteste unter einer rechten Regierung — vielleicht aber auch, weil niemand kam.

„Die Aggressionen, die Menschen im Internet zeigen, haben sich in der realen Welt glücklicherweise nicht bestätigt“, freute sich jedenfalls JVP-Landesobmann Nico Marchetti am Abend. Das Schikaneder ist für ihn das Opfer des ganzen Theaters und zeitgleich das größte Vorbild: „Weil das Lokal für eine offene Stadt und für eine Kultur des Dialogs steht.“

Maida Dedagic/Kronen Zeitung

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