Massaker-Prozess
Täter wollte Rache wegen untreuer Ehefrau
Am Abend des 4. Mai hatten bewaffnete Männer in dem Dorf Bilge in der südosttürkischen Provinz Mardin eine Hochzeitsfeier gestürmt und mit automatischen Waffen auf die Gäste geschossen. Unter den 44 Opfern waren zahlreiche Frauen und sieben Kinder. Das Verbrechen sorgte in der Türkei und auch international für Bestürzung.
Insgesamt stehen in dem Prozess elf Angeklagte vor Gericht. Die Anklage fordert lebenslange Haftstrafen. Das Verfahren findet nicht in der Nähe des Tatorts im kurdisch besiedelten Südostanatolien statt, sondern fast 1000 Kilometer weiter westlich im zentralanatolischen Corum. Mit der Verlegung des Gerichtsorts wollen die Behörden etwaige Racheakte von Angehörigen der Opfer des Massakers verhindern. Das Gericht schloss die Öffentlichkeit von dem Verfahren aus, weil einer der elf Angeklagten noch nicht volljährig ist.
Täter kam mit Bruder und Sohn und eröffnete das Feuer
Mehmet Celebi sagte laut der Internetausgabe der Zeitung "Milliyet", er habe das Massaker zusammen mit einem seiner Söhne und mit seinem Bruder verübt. Er selbst habe bei der Hochzeitsfeier auf die Männer geschossen, sein Bruder auf die Frauen. Sein Sohn habe zwei Menschen erschossen.
Einer der Todesschützen ist erst 14 Jahre alt
"Ich habe gehört, dass meine Frau ein Verhältnis hat. Da habe ich entschieden, dieses Verbrechen zu begehen," sagte Celebi dem Bericht zufolge. Der 14-jährige Sohn und der Bruder des Hauptbeschuldigten, die ebenfalls unter den Angeklagten sind, bestätigten die Version Celebis. Der angebliche Liebhaber der Ehefrau zählte zu den Opfern des Massakers, die Ehefrau überlebte.
Unmittelbar nach dem Massaker war vermutet worden, die Bluttat sei Folge eines Streits zwischen zwei Flügeln eines kurdischen Clans gewesen. Die Staatsanwaltschaft fand laut Anklageschrift bei ihren Ermittlungen aber keine Hinweise auf eine Familienfehde. Aussagen über die außereheliche Beziehung der Ehefrau des Hauptangeklagten als Grund für das Massaker waren der Staatsanwaltschaft zwar von einem Zeugen zugetragen worden, konnten bis zur Prozesseröffnung aber nicht erhärtet werden.
Höchste Sicherheitsstufe - 100 Beamte bewachen Gericht
Während des Prozesses in Corum gilt in der Stadt die höchste Sicherheitsstufe. Mehr als 100 Polizeibeamte bewachen das Gerichtsgebäude. Auch der Transport der Angeklagten von einem nahen Gefängnis zum Gericht wird streng überwacht. Im Untersuchungsgefängnis sind die Angeklagten von anderen Insassen getrennt in einem eigenen Trakt untergebracht.
Mehrere türkische Medien meldeten, die Angeklagten hätten vor Beginn des Prozesses keinerlei Anzeichen von Reue erkennen lassen. Sie seien lachend aus den Gefangenentransportern ausgestiegen, mit denen sie zum Gerichtssaal gebracht wurden.
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