"Das ist Kino"

FBI veröffentlicht Protokolle von Hussein-Verhören

Ausland
03.07.2009 21:51
Zweieinhalb Jahre nach der Hinrichtung des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein hat das FBI Protokolle der Vernehmungen veröffentlicht. Laut den Aufzeichnungen von 27 Verhören und Gesprächen zwischen Jänner und Juni 2004 in einem US-Gefangenlager nahe Bagdad sagte Saddam Hussein aus, das Versteck, in dem er im Dezember 2003 von US-Truppen gefasst wurde, habe er schon einmal 1959 nach seiner Beteiligung an einem gescheiterten Staatsstreich benützt. Die Bilder des gefassten Ex-Machthabers mit zotteligen Haaren und langem, grauem Bart waren um die Welt gegangen. Er hatte sich in einem Keller südlich von Tikrit versteckt gehalten.

Nach eigenen Aussagen war Saddam Hussein erst ein oder zwei Tage nach dem US-Einmarsch in Bagdad am 9. April aus der irakischen Hauptstadt geflohen. Er habe sich nach und nach von seinen Leibwächtern getrennt, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Die FBI-Ermittler fragten ihren prominenten Gefangenen auch, was an den Gerüchten dran sei, wonach er während seiner Herrschaft Doppelgänger eingesetzt habe. "Das ist Kino, nicht die Realität", antwortete Saddam Hussein den Aufzeichnungen zufolge lachend. Die meisten Vernehmungen wurden von dem FBI-Agenten George Piro geführt.

Zum Einsatz von Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk und den Iran wollte sich Saddam Hussein den Dokumenten zufolge nicht äußern. "Ich werde mich nicht in so eine technische Debatte drängen lassen", sagte er demnach. Er gestand Fehler in seiner Haltung zu Fragen der UNO nach Massenvernichtungswaffen im Irak ein, versicherte aber, dass sein Land die UNO-Resolution zur Entwaffnung nach dem Golfkrieg von 1991 umgesetzt habe. "Wenn ich diese Waffen gehabt hätte, glauben Sie, dass ich die US-Truppen in Kuwait hätte bleiben lassen, ohne sie anzugreifen?", fragte der Ex-Machthaber in einem Verhör.

Hussein: Iran gefährlicher als die USA
Zugleich versicherte Saddam Hussein, er sei zwar gegen Washingtons Politik gewesen, habe aber nicht in den USA, sondern im Iran die größte Bedrohung für den Irak gesehen. Teheran habe er glauben machen wollen, dass er über Massenvernichtungswaffen verfügt. Saddam Hussein wurde am 30. Dezember 2006 gehenkt, nachdem ihn ein irakisches Sondertribunal zuvor wegen eines Massakers an schiitischen Zivilisten zum Tode durch den Strang verurteilt hatte.

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