Herr Dr. Mertel, alle lästern über Ihre zwei Jobs. Was meinen Sie dazu?
Mertel: Mir ins Gesicht sagt’s keiner. Und bitte, was ist daran falsch, zwei Berufe mit großer Leidenschaft auszuüben? Der Gesetzgeber verbietet es einem Stadtrat nicht, nebenbei zu arbeiten.
Wie schaut das denn in der täglichen Praxis aus?
Mertel: Ich bin um 5.30 Uhr in der Gemeindeabteilung beim Land, wo ich übers Jahr gerechnet eine Halbtagsverpflichtung erfüllen muss. Gegen neun fangen dann meine Aufgaben für die Stadt an, manchmal früher.
Da müssen Sie viel Durchhaltevermögen haben.
Mertel: Bei mir war’s immer ein bissl extremer. Ich habe zum Beispiel jahrelang Fußball in der Bundesliga gespielt und daneben studiert.
Doch gerade in der Diskussion um Einsparungen bei Stadträten ist Ihre Haltung doch auch merkwürdig.
Mertel: Wieso? Demokratie muss etwas wert sein. Man sollte da nicht verengen unter dem Deckmantel der Sparsamkeit. Außerdem habe ich mich als Gemeinderat wählen lassen – dass es ein Stadttat geworden ist... heißt noch lange nicht, dass ich meine Ansprüche beim Land sechseinhalb Jahre vor der Pension aufgebe.
Im Zweifelsfall also?
Mertel: Ziehe ich die Konsequenzen. Als Politiker.
Wieso haben Sie den Ruf der SPÖ angenommen?
Mertel: Weil ich denke, man darf nicht nur schimpfen, man muss aktiv mitgestalten. Gerade in Zeiten wie diesen. Ich bin kein Wunderwuzzi, aber ich habe Visionen für die Stadt Klagenfurt – gemeinsam, über Parteigrenzen hinweg, Zukunftsszenarien erarbeiten. Wo steht Klagenfurt in zwölf Jahren? Das sind wichtige Themen.
Apropos Parteigrenzen – Sie sind Sozialdemokrat, galten aber als Unterstützer Jörg Haiders.
Mertel: Dazu stehe ich auch, dass ich bei seinem Unterstützungskomitee unterschrieben habe. Es war eine Art Dankeschön für sein Engagement um meinen Fußballnachwuchs. Wissen Sie, die letzten Worte, die Haider vor seinem Tod bei unserer letzten Begegnung gesagt hat, waren: Waschi, du bist sehr beliebt. Vielleicht war das mit ein Grund, warum ich mir bei der Wahl dann gedacht habe, ich probier’s.
Mit welchem Geld? Der SK Austria verschlingt fast das ganze Budget.
Mertel: Na, er bekommt 180.000 Euro im Jahr. Von 500.000 Euro. Aber da wird man eben reden müssen.
Ihr zweites Sorgenkind ist vermutlich das Stadion.
Mertel: Ja, da müssen nun endlich Entscheidungen her.
Ist denn der Rückbau auf 22.000 Plätze nicht fix?
Mertel: Nun, es wurde beschlossen. Es gibt aber auch die Überlegung, nur an Bundesligaspiele zu denken und auf 18.000 zurückzubauen.
Also zurück an den Start.
Mertel: Das Problem ist, dass sich bei uns keiner zu etwas bekennen kann. Wenn das Stadion voll ist, sagt jeder, spinnt’s ihr, dass ihr das angreifen wollt’s? Kommt keiner zum SK Austria und verliert der auch noch, dann heißt’s, für die Deppen so viel Geld verplemplert...
Interview: Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
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