"Hatten keine Wahl"

Arbeiter sperren Sony-Chef über Nacht ein

Ausland
14.03.2009 11:15
Wütende Arbeiter des Elektronikkonzerns Sony haben in Südfrankreich mit drastischen Maßnahmen gegen die Schließung des Magnetbandwerks in Pontonx-sur-l'Adour protestiert: Im Kampf um zumindest höhere Abfindungen nahmen sie kurzerhand Sony-Frankreich-Chef Serge Foucher gefangen und hielten ihn der Nacht zum Freitag in dem Werk fest. Die Aktion zeigte Wirkung, Sony setzte sich wieder an den Verhandlungstisch.

Foucher war am Donnerstagabend nach Pontonx gekommen, um die Beschäftigten des seit 1984 bestehenden Werkes vor der Schließung im April ein letztes Mal zu treffen. Gegen seinen Willen wurden er und sein Personalchef später aber am Verlassen der Fabrik gehindert: Die Arbeiter verbarrikadierten alle Ein- und Ausgänge. 

"Bin froh, das Tageslicht zu sehen"
Erst nachdem Foucher neue Verhandlungen zugesagt hatte, entließen sie ihn am Freitagvormittag aus ihrer Gewalt. "Ich bin froh, wieder frei zu sein und das Tageslicht zu sehen", sagte Foucher. Unternehmen und Gewerkschaften begannen daraufhin unter Vermittlung der Behörden Schlichtungsgespräche.

"Wir verlangen nicht die Welt, nur dass wir auf dieselbe Weise abgefunden werden wie andere Beschäftigte von Sony France, die gekündigt worden sind", sagte der Vertreter der Gewerkschaft CGT, Patrick Hachaguer. Den Mitarbeitern des Werkes für Videobänder seien nur "Rabatt-Abfindungen" angeboten worden. Das Einsperren des Sony-Chefs sei "unsere letzte Chance" gewesen, sagte die 50-jährige Werksbeschäftigte Chantal Omiciuolo: "Wir hatten keine Wahl."

Aktion für Sozialisten nicht überraschend
Die oppositionellen Sozialisten zeigten Verständnis für das Vorgehen der Sony-Arbeiter. "Es ist nicht erstaunlich, dass die Beschäftigten das Gefühl haben, nur noch auf sich selbst zählen zu können", sagte der sozialistische Präsident des Regionalrates im Département Landes, Henri Emmanuelli. 

Sony habe nach der Ankündigung der Werksschließung im Dezember seine Angebote an die Mitarbeiter immer weiter zurückgenommen. Emmanuelli griff auch die konservative Regierung in Paris an, die nichts gegen solches Verhalten von Firmen unternehme. Was Frankreichs Industrie angehe, gebe es "keinen Piloten mehr im Flugzeug", sagte er.

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