Spirale der Gewalt?
Neuer Anschlag in Nordirland – Polizist getötet
Die Attentäter hatten ihn nach Angaben örtlicher Politiker in einen Hinterhalt gelockt. Der Polizist und mehrere Kollegen seien zu einem Einsatz gerufen worden. Als sie aus dem Streifenwagen stiegen, eröffneten Bewaffnete das Feuer. Der Polizist starb an einem Kopfschuss. Unbestätigten Angaben zufolge gab es auch Verletzte bei dem Attentat, das sich etwa 40 Kilometer südlich von Belfast ereignete.
Ermittler nahmen zwei Männer fest
Nach dem Mord haben Ermittler am Dienstagnachmittag zwei Männer festgenommen. Zunächst fasste die Polizei einen 17 Jahre alten Mann, sein Alter war ursprünglich mit 18 Jahren angegeben worden. Kurze Zeit später meldete die Polizei die Festnahme eines 37-Jährigen. In welcher Beziehung die beiden Männer zueinander stehen und welche Rolle sie bei dem Attentat auf den Polizisten spielten, blieb zunächst unklar. Der 17-Jährige war in Craigavon in der Grafschaft Armagh festgenommen worden. Dort drangen die Ermittler auch mit Gewalt in eine Wohnung ein.
Der Ort der ersten Festnahme südwestlich von Belfast gilt als Hochburg republikanischer Katholiken, die eine Abspaltung von Großbritannien und eine Vereinigung mit der Republik Irland anstreben. Dort war am Montagabend der 48 Jahre alter Polizist erschossen worden. Zu dem ersten Mordanschlag auf einen nordirischen Polizisten seit mehr als einem Jahrzehnt hatte sich eine Splittergruppe der früheren Terrororganisation IRA bekannt.
Neues Attentat unerwartet rasch
Der protestantische Politiker Basil McCrea, der ebenfalls dem Gremium angehört, erklärte, er habe keine Zweifel daran, dass die IRA-Splittergruppe, die sich zu dem Anschlag auf die beiden Soldaten bekannt hatte, auch hinter dem Überfall auf den Polizisten steckt. Er habe zwar erwartet, dass die "Wahre IRA" wieder zuschlagen wird, "wir haben aber nicht gedacht, dass es so bald sein wird". Erst am Samstag waren bei einem Anschlag auf eine britische Kaserne in Nordirland zwei Soldaten getötet worden.
Angst vor neuer Spirale der Gewalt
In Nordirland herrscht Sorge vor einem Wiederaufflammen der Gewalt, die seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 weitgehend beendet war. Splittergruppen der IRA haben die Waffenruhe der IRA nie akzeptiert. Die "Wahre IRA" selbst zeichnete verantwortlich für den tödlichsten Terroranschlag in Nordirland überhaupt. Dabei kamen im August 1998 in Omagh 29 Menschen ums Leben, überwiegend Frauen und Kinder.
Britischer Premier verurteilt Bluttat
Der britische Premierminister Gordon Brown hat den Polizistenmord am Dienstag scharf verurteilt und sich zugleich überzeugt gezeigt, dass der Friedensprozess weiter gehen werde. "Es wird kein Zurück zu den alten Zeiten geben", sagte Brown in London. "Das sind Mörder, die den politischen Prozess in Nordirland, der den Menschen dient, unterbrechen und zerstören wollen. Brown zeigte sich überzeugt, dass die Menschen in der ehemaligen britischen Krisenprovinz nicht wieder "Waffen in den Straßen sehen wollen". Die Regierung werde es den Attentätern nicht erlauben, den politischen Prozess in Nordirland zu zerstören.
Sinn-Fein: "Anschlag auf den Friedensprozess"
Die Sinn-Fein-Partei, lange Zeit der politische Arm der einstigen pro-irischen Terrororganisation IRA, hat den Mord an dem Polizisten ebenfalls scharf verurteilt. "Das ist ein Anschlag auf den Friedensprozess. Das ist falsch, es ist kontraproduktiv und ich möchte der Familie des Toten mein Beileid aussprechen", sagte der regionale Sinn-Fein-Abgeordnete, John O'Dowd, in der Nacht zum Dienstag. Von einer "schrecklichen Tragödie" sprach Alex Maskey, der die Sinn-Fein-Partei in der nordirischen Polizeiaufsicht vertritt. Er sei von der Tat angeekelt und verärgert.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.