Sieger-Interview

Gerhard Dörfler: “Haben keine Zeit zu verlieren”

Kärnten
05.03.2009 16:50
Der vergangene Sonntag hat das Leben von Gerhard Dörfler mehr verändert, als es den Anschein hat. Er wurde nicht nur im Amt bestätigt, sondern hat einen überragenden Wahlerfolg eingefahren. Und das ist ein eindeutiger Wählerauftrag. Über diesen sprach der Landeshauptmann mit "Krone"-Chefredakteur Hannes Mößlacher.

Der Wahlerfolg vom Sonntag war vom BZÖ zwar erhofft, aber dennoch überraschend. Wie waren denn die persönlichen Visionen? 
Dörfler: Es war schon spürbar, dass es mehr als 40 Prozent werden würden. Aber so ein Erdrutsch... Für mich war klar, dass ich es mir bei 38 Prozent noch einmal überlegt hätte, zu bleiben, mit 37 Prozent wäre ich zurückgetreten. 

Und was dann?
Dörfler: Am Sonntag stellten sich für mich die Weichen zwischen dem Wählerauftrag und viel Arbeit oder eben einer Zeit lang viel Freizeit. 

Jetzt ist es viel Arbeit geworden. Wann geht es los?
Dörfler: Vor Ostern muss die Regierung stehen, müssen die Referate verteilt sein. Mit wem, das ist noch offen. Ich kann mir eine neu aufgestellte SPÖ als Partner auch gut vorstellen. Oder eine geläuterte ÖVP. Die kann nicht verlangen, was sie will. Die SPÖ ist schließlich die zweitstärkste Partei im Land. 

Was werden die ersten Maßnahmen sein?
Dörfler: Am wichtigsten ist es, Arbeit zu schaffen und soziale Akzente setzen. Projekte, die schnell umsetzbar sind, müssen beschleunigt werden. Auf der A 2 bauen wir schon, in Bad St. Leonhard geht es nächste Woche los. 

Und Innovatives?
Dörfler: Ich will eine Offensive in der Althaussanierung; Solar, Photovoltaik, Dämmung. Das schafft Arbeitsplätze im ganzen Land, vor allem bei Kleinbetrieben, Installateuren, Elektrikern, Fassadenbauern. Da muss sofort eine Expertenrunde zusammengestellt werden. Das Projekt samt Förderrichtlinien soll bis Mitte des Jahres stehen. Am 1. Juli kann es dann schon voll losgehen. 

Wie viel kann das an Arbeitsplätzen bringen? 
Dörfler: Wir haben schon einmal eine ähnliche Offensive gehabt, da gibt es Erfahrungswerte. Da reden wir von Hunderten Arbeitsplätzen schon kurzfristig. Und es gibt doppelten Nutzen: zuerst Arbeit, dann energieeffiziente Gebäude. Das soll im privaten wie im öffentlichen Bereich zur Anwendung kommen. 

Wie soll es im Sportressort weitergehen? 
Dörfler: Das kommt nach meinem Wunsch zu Dörfler zurück. Ich bin in Kärnten sicher der Politiker mit der höchsten Sportaffinität. 

Die Schwerpunkte? 
Dörfler: Zunächst die Dreiländer-Weltmeisterschaft. Wir ziehen da mit Friaul und Slowenien an einem Strang, im Frühjahr wird mit den Skiverbandspräsidenten verhandelt. Das bringt im Marketing über Jahre etwas. 

Reizthema SK Austria... 
Dörfler: Ich sage persönlich ein klares Ja zur Austria. Aber das ist ein Punkt, da würde ich auch gerne die Bevölkerung mitreden lassen. Sie soll sagen, ob sie dafür oder dagegen ist, dass der Steuerzahler so viel zahlen muss; die 1,1 Millionen für den alten Klub, die 1,5 Millionen für den Spielbetrieb und die Finanzsanierung. 

Und es gibt noch eine zweite Bedingung: Frenkie Schinkels muss fix noch mindestens eine Saison bleiben. Nur er ist der Garant für einen erfolgreichen Fußball. 

Neben dem Sport: Welche Ressorts werden Chefsache?
Dörfler: Straßenbau, Verkehr und Kinderbetreuung sind Herzensanliegen von mir. Ebenso wie der Sport. Mehr geht aber leider nicht. Das werden wir uns dann mit dem politischen Partner ausreden und aufgrund der Kompetenzen der Regierungsmitglieder aufteilen. 

Zur weltweiten Wirtschaftskrise: Wie soll es da mit Kärnten weitergehen? 
Dörfler: Wir brauchen Optimismus und Zuversicht. Wir müssen sehen, dass wir noch immer eine Wohlstandsgesellschaft sind, es geht uns wirklich gut. Ich selbst habe als Kind noch Hunger erlebt. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir in einer der schönsten Regionen der Welt leben; das Morgen wird anstrengend und schwierig. 

Reicht Optimismus? 
Dörfler: Alleine sicher nicht. Aber übertragen: Wenn ein Kranker Optimismus hat, dann hat er Heilungschancen. Wenn er sich der Krankheit ergibt, stirbt er. 

Zur Stadt Klagenfurt: Wie soll es hier weitergehen? 
Dörfler: Ich bin mir sicher, dass Klagenfurt die erste orange Landeshauptstadt in Österreich wird. Dann wird es wichtig sein, sie neu zu beleben - wohnen, leben, wirtschaften in der Innenstadt, nicht auf der grünen Wiese. 

Noch einmal zur Wahl. Was war entscheidend? 
Dörfler: Da muss man tiefer schürfen. Ich glaube, die Leute haben gemerkt, dass wir sozialer sind als die derzeitige SPÖ. Sie haben honoriert, dass wir bei den Menschen sind und nicht auf dem Golfplatz.

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