




Archive, Antiquariate, Postkartensammler in den USA: Wie ein Kärntner Architekt über den historischen „Wörthersee-Stil“ recherchiert und warum er einen Verein gründet.
Zunächst waren die Kärntner Berge Ziele der Touristen, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Seen. Je nach finanzieller Möglichkeit ging es an kleinere Seen oder an den mondänen Wörthersee, der ab 1864 bequem mit dem Zug, mit der K.u.K. Südbahn, erreichbar war. Für ihre Sommerfrische ließen sich wohlhabende Familien Villen am See errichten.
So entstanden ab 1880 bis zum Zweiten Weltkrieg, in etwas reduzierter Form auch noch in den 1920er und 30er Jahren, Villen, Boots- und Badehäuser in einem Stil, den wir heute Wörthersee-Architektur nennen.





„Es ist eine Form des Historismus“, weiß Heimo Kramer. Der Keutschacher hat nach dem Studium der Architektur in Wien bemerkt: „Es gibt kaum Literatur über die historische Wörthersee-Architektur. Eine 50 Jahre alte Dissertation habe ich gefunden – dann habe ich selbst recherchiert und 2006 die Website über die Wörthersee-Architektur eingerichtet.“
Romantisch, zart, einladend
Loggien, Terrassen, Giebel, Ecktürme, ein bisschen Jugendstil, englische Landhausarchitektur, Barock und Regionalromantik – so beschrieb der Architekt und Architekturkritiker Friedrich Achleitner den Stil am Wörthersee, welche die „Spanne zwischen Behaglichkeit und Repräsentation, zwischen öffentlichem Anspruch und privater Zurückgezogenheit“ zu schaffen vermöge.
Gemeinsam möchten wir unser kulturelles Erbe pflegen, bewahren und uns aktiv für den Erhalt historischer Bauten einsetzen.
Heimo Kramer über Ziele des neuen Vereines
Als Rückzug in der Sommerfrische war beispielsweise die Villa Miralago mit Badehaus gedacht, die sich der Wiener Industrielle Ludwig Urban von Architekt Carl Langhammer in Pörtschach errichten ließ. Die aufwendige Fassade und die Stiegenanlage erfüllen aber Repräsentationscharakter für die Bunstifteerzeuger, von denen heute noch die Marke Jolly bekannt ist.
Bereits 90 Gebäude im seltenen Stil erfasst
„90 Bauten der Wörthersee-Architektur habe ich auf meiner Homepage, 30 im Archiv, da ist noch einiges zu recherchieren – was nicht einfach ist. Von abgerissenen Villen habe ich teils Pläne, Postkarten oder Bilder“, so der Diplom-Ingenieur der Architektur, der in Klagenfurt sein Büro „panovision“ hat. „Eine Postkarte einer Villa habe ich im Internet gekauft – aus Amerika. In einem Antiquariat in Wien fand ich dazu eine Tuschezeichnung“, gibt Kramer Einblicke in die aufwendige Recherchearbeit.
Verein für Freunde der Wörthersee-Architektur
Nun will er Menschen zusammenbringen, die sich ebenfalls für die Wörthersee-Architektur interessieren: Heute wird ein Verein gegründet. „In jeder Gemeinde gibt es Interessierte, die Postkarten oder Pläne haben, einige Villenbesitzer sind auch schon dabei, ebenso wie andere Interessierte.“ Sie alle will Kramer nun, nachdem er bereits seit 20 Jahren an der Homepage als Archiv über die Wörthersee Architektur arbeitet, miteinander vernetzen. „Geplant sind Exkursionen, Impulsvorträge, Diskussionen, mehrere Treffen jährlich und einmal im Jahr ein Magazin. Zusätzlich zum digitalen Archiv soll es ein analoges geben.“
Rettung des Hotels Wörthersee noch immer möglich!
Ein Thema des Vereines wird die Erhaltung der Bauten sein. Hinter den meisten Villen stehen ja Besitzer, die das architektonische Erbe zu schätzen wissen. Und dann gibt es da noch das Hotel Wörthersee in der Ostbucht. „Die Rettung des Hotels Wörthersee wird immer teurer, aber sie ist noch möglich“, so Kramer. „Vorbild könnte das Grand Hotel Toblach sein: Das Land Südtirol kaufte es. Der Bau war damals nicht gut beieinander. Nun befinden sich im Gebäude eine Jugendherberge, eine Gustav Mahler-Musikschule und ein Naturparkmuseum.“
Informationen über die Wörthersee-Architektur und Kontakt zu Heimo Kramer und zum Verein auch unter https://www.woerthersee-architektur.at/
oder per E-Mail: kramer@panovision.at
Karte führt zu sehenswerten Villen
Gemeinsam mit dem Haus der Architektur Kärnten hat Heimo Kramer bereits die Faltkarte „Wörthersee-Architektur“ herausgegeben. 54 Bauwerke (historisch + modern), in den vier Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch und Slowenisch zum Erleben und Bereisen der Villen vom See - erhältlich in den Tourismusinformationen rund um den Wörthersee.
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