Wirbel um 'Entropa'
Tschechien entschuldigt sich für EU-Kunstwerk
Tschechien habe mit der Installation zeigen wollen, dass zehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges Zensur keinen Platz in Europa habe. Die "größte und unangenehmste Überraschung" sei allerdings gewesen, dass Cerny und sein Team selbst die Länderporträts angefertigt hätten und nicht wie vereinbart Künstler aus den 27 EU-Staaten. "Das war ein unangenehmer Schock für uns alle, vor allem für mich", so Vondra.
Cerny: "Regierung bewusst hinters Licht geführt"
Auch Cerny entschuldigte sich bei seiner eigenen Regierung, "die ich absichtlich hinters Licht geführt habe". Er und sein Team hätten sich mit der Installation vor allem über sich selbst lustig machen wollen. Auch bei Bulgarien entschuldigte sich der Künstler, die Darstellung des Landes sei "leider missverstanden" worden. Cernys Künstler-Kollege Tomas Pospiszyl sagte, das Team könne es akzeptieren, wenn der Bulgarien-Teil der Installation entfernt werde.
Er fühle sich nicht als Sieger, sagte Cerny. "Wir hatten ernsthaft erwartet, dass es als Witz und als nettes Kunstwerk genommen würde." Pospszyl ergänzte, es sei dem Team von Anfang an klar gewesen, dass das Werk für Kontroversen sorgen würde. "Von Anfang an war es als Schwindel angelegt, eine Mystifizierung, die entlarvt werden würde."
Bulgarien als "Toilette der Türkei"
Das Werk, das die 27 EU-Staaten mit Stereotypen ins Lächerliche zieht, sollte ursprünglich am Donnerstag im Brüsseler Ratsgebäude als Beitrag der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft offiziell präsentiert werden. Aber schon Tage vorher gingen die Wogen hoch: Bulgarien hat am Mittwoch den tschechischen Botschafter in Sofia ins Außenministerium zitiert, weil es auf dem provozierenden Kunstwerk als "Toilette der Türkei" (Stehklo) dargestellt wird. Auch die Slowakei protestierte gegen die Darstellung des Landes als Würstchen, das von der Nationalflagge des Nachbarlandes Ungarn eingewickelt ist. Österreich wiederum ist in der Großinstallation eine saftige, grüne Wiese mit vier Atommeilern.
Kein "Werk von 27" - Künstler hat alles allein gemacht
Cerny gilt unter Künstlern als Provokateur. Bei der EU stößt das auf wenig Begeisterung: Dänemark etwa wird auf "Entropa" zusammengesetzt aus Lego-Steinen gezeigt. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Bausteine als Bildnis der umstrittenen Mohammed-Karikatur, die 2006 zu weltweiten Protesten in der muslimischen Welt geführt haben. Offiziell angeführt als Mit-Urheberin des dänischen Beitrages wird die Künstlerin Susan Malberg Albertsen, die zwar von Medien ausfindig gemacht wurde, aber nie etwas von Cerny oder dem "Entropa"-Projekt gehört hat. "Das ist sehr unangenehm und rotzfrech", sagte sie.
Die Darstellung Österreichs als grüne Wiese mit vier Kühltürmen lieferte angeblich die Künstlerin Sabrina Unterberger. Auch sie konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden. Im offiziellen Katalog wird Sabrina Unterberger angeführt als Mitwirkende der Ausstellung "Gegengewalt" im Jahr 2002 in der Galerie Grita Insam in Wien. "Die Ausstellung gab es. Aber wir haben diese Künstlerin nicht gehabt", sagte Melanie Harl von der Galerie Grita Insam am Mittwoch.
Weitere Darstellungen: Die Niederlande werden als ein überflutetes Land präsentiert, wobei Minarette aus dem Wasser hervorragen. Deutschland wird als ein Netz von Autobahnen dargestellt, das an ein Hakenkreuz erinnert. Rumänien ziert Graf Dracula inklusive grässlicher Fratze, Belgien ist eine Pralinenschachtel.
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