Jahrelang in Garage

Nach Martyrium: Vater stirbt im Spital

Kärnten
28.11.2008 12:42
Jener gebürtige Kärntner, der seinen kleinen Sohn in einer Garage (Foto) in einem Vorort von Johannesburg vier Jahre gefangen hielt, ist am Mittwoch gestorben. Das gab der Sprecher des österreichischen Außenministeriums, Harald Stranzl, am Donnerstag bekannt. Sein Motiv hat der 68-Jährige mit ins Grab genommen. Der "Vorstadt-Tarzan", wie das Kind von südafrikanischen Medien nun genannt wird, wurde vor wenigen Tagen befreit, als der Vater nach einem Kreislaufzusammenbruch im Spital lag.

Der plötzliche Tod des gebürtigen Kärntners, zur Todesursache machten die Behörden keine Angaben, wirft nun Fragen über die Zukunft des achtjährigen Kindes auf. Nach der Mutter des Buben werde weiterhin gesucht, berichteten südafrikanische Medien. Ob der 68-Jährige die österreichische oder südafrikanische Staatsbürgerschaft besaß, war am Donnerstag weiter unklar.

Verwandter reist nach Südafrika
Zudem würde ein Verwandter aus Kärnten auf dem Weg nach Südafrika sein, sagte Stranzl. Der Mann ist nach Medienberichten auf das Schicksal des Buben aufmerksam geworden und hat sich im Außenministerium gemeldet. Ob das Kind bereits über den Tod des Vater informiert wurde, war nicht bekannt, berichteten die Medien in Südafrika.

Großmutter soll von Enkel gewußt haben
Der 68-Jährige hat der südafrikanischen Zeitung "The Star" noch ein Interview gegeben. Darin versuchte er, sein Handeln zu erklären. Er habe sich bemüht, dass niemand etwas über die Existenz seines Kindes erfahren würde. Einzig die Großmutter in Österreich soll über ihren Enkel Bescheid gewusst haben, berichtete "The Star". "Meine Mutter wusste es. Sie sagte nichts dazu, aber sie hat es offensichtlich nicht gut geheißen, dass ich einen Sohn habe und das geheim gehalten habe", sagte der 68-Jährige der Zeitung.

Verhältnis mit Haushälterin
Der gebürtige Kärntner kam in den 60er Jahren nach Südafrika. Er hatte mit seiner südafrikanischen Haushälterin ein Verhältnis. Aus dieser Beziehung entsprang das Kind. Vor vier Jahren verließ die Frau den Österreicher. Seit dieser Zeit dürfte der Mann den Buben gefangen gehalten haben. Der Fall war aufgeflogen, nachdem der 68-jährige frühere Pilot einer österreichischen Airline mit einem Kreislaufkollaps ins Spital gebracht werden musste. 

Kind blieb von Sanitätern unentdeckt
Nach seinem Kollaps rief der 68-Jährige noch selbst die Rettung, von dem Buben im Haus erzählte er dabei aber nichts. Die Sanitäter mussten, um zu dem Gebäude zu gelangen, ein schweres Eisentor des stark gesicherten Hauses wegreißen. Auch dabei blieb das Kind unentdeckt. Fünf Tage später, am 17. November, ging ein Computerfachmann an dem Haus vorbei. Er sah, wie der Achtjährige Münzen durch ein kleines Loch durch die Wand warf und fragte, ob ihm jemand etwas zu essen kaufen könnte.

Niemand wusste von dem Buben
Das alarmierte Sozialamt fand den Buben - laut Zeitungsberichten - wie verrückt in schmutzigem Gewand durch den verwilderten Garten laufen. Mitarbeiter der Behörde konnten das Kind kaum beruhigen, immer wieder schrie es, sie sollten das Gelände verlassen und "ich muss mich verstecken". Ein Nachbar, der den Buben aufnahm, berichtete, dass der Achtjährige nur vom Zweiten Weltkrieg, Pearl Harbour und Nazis erzählt habe. "Das Kind ist nicht dumm, glaubt aber, dass der 2. Weltkrieg immer noch im Gange ist", berichtete der Nachbar im "Johannesburg Star". Die Freunde des 68-Jährigen wussten nichts von der Existenz des Kindes.

Ermittlungen laufen
Für das indessen eingeschaltete österreichische Außenministerium liegt das Hauptaugenmerk jetzt jedenfalls auf dem Wohlergehen des Kindes. "Dazu gehört, dass wir Verwandte und Angehörige in Österreich ausforschen", so Außenamtssprecher Stranzl. Zeitgleich habe die Polizei in Südafrika ihre Ermittlungen aufgenommen. Die Behörden sind auch auf der Suche nach der südafrikanischen Mutter, die seit vier Jahren verschwunden ist.

Zeitung: Vater leidet unter Wahnvorstellung
Der extrem geschwächte Vater leide unter Wahnvorstellungen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Krankenhaus, in dem sich der 68-Jährige befindet. Er könne nicht erklären, warum er den Buben in der Garage eingesperrt hatte. Angeblich hatte er die Absicht, das Kind in die Schule zu schicken, besaß allerdings keine Geburtsurkunde oder andere Dokumente für den Achtjährigen. Gegen den Vater wurde ein Verfahren eröffnet.

Bub langsam an soziales Umgang gewöhnen
Das Kind wird nun laut der südafrikanischen "Times" in der Klinik mit anderen Kindern zusammengebracht, um ihm langsam den sozialen Umgang mit anderen beizubringen. "Es ist wichtig, dass der Bub an einem sicheren Platz ist, die Schule besucht und mit anderen Kindern in Kontakt ist", sagte Khosi Msibi, die Chefin der Kinder- und Familienabteilung des Sozialamtes.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Kärnten
28.11.2008 12:42
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung