Gefährdete Arten

„Rote Liste“ seit 32 Jahren nicht aktualisiert!

Tierecke
07.05.2026 14:10
Porträt von Katharina Lattermann
Porträt von Tierecke
Von Katharina Lattermann und Tierecke

Der Österreichische Tierschutzverein übt deutliche Kritik am Zustand der Datenlage zum heimischen Artenschutz und spricht von einem „gefährlichen Blindflug“ im Umgang mit bedrohten Tierarten. Hintergrund sind die sogenannten „Roten Listen gefährdeter Tierarten“, die laut Verein nur noch teilweise als aktuelles Frühwarnsystem dienen.

Nach Angaben des Tierschutzvereins sind von insgesamt 27 bundesweiten „Roten Listen“ lediglich drei auf einem aktuellen Stand. Jede zweite Liste sei demnach überfällig, viele Datensätze würden noch auf Erhebungen aus den vergangenen Jahrzehnten basieren.

Besonders drastisch sei die Situation bei einzelnen Tiergruppen: So sei die bundesweite Käfer-Liste seit rund 32 Jahren nicht mehr aktualisiert worden, insgesamt seien 15 Listen älter als 18 Jahre. Der Verein warnt deshalb davor, dass Schutzmaßnahmen auf einer zunehmend unsicheren Datengrundlage getroffen würden.

(Bild: © Österreichischer Tierschutzverein)

Offener Brief an Minister Totschnig
Im Rahmen einer Aktion in Wien überreichte der Österreichische Tierschutzverein dem Umweltministerium symbolisch einen „Rote Listen Award“ in Form eines goldenen Käfers sowie einen offenen Brief. Die Aktion sei als Protest und gleichzeitig als Auftakt zur Kampagne „Auf (N)Immer Wiedersehen“ gedacht, mit der auf den Rückgang bedrohter Tierarten aufmerksam gemacht werden soll.

Kritisch sieht der Verein die Folgen für sogenannte Bestäuberarten wie Hummeln, Schwebfliegen, Tagfalter oder bestimmte Käferarten. Deren Rückgang hätte laut Tierschutzverein nicht nur ökologische Auswirkungen, sondern könne auch die Landwirtschaft und damit die Lebensmittelsicherheit beeinträchtigen. Ohne aktuelle Daten bestehe die Gefahr, dass Gefährdungen zu spät erkannt würden und Schutzmaßnahmen nicht rechtzeitig greifen.

Professor Franz Essl ist Biodiversitätsforscher an der Universität Wien und Mitglied im ...
Professor Franz Essl ist Biodiversitätsforscher an der Universität Wien und Mitglied im Leitungsteam des Österreichischen Biodiversitätsrats.(Bild: Thomas Lehmann)

Auch aus der Wissenschaft kommt laut Vereinsangaben Unterstützung für die Forderungen. Der Biodiversitätsforscher Franz Essl von der Universität Wien wird vom Tierschutzverein dahingehend zitiert, dass regelmäßige Aktualisierungen der Roten Listen notwendig seien, idealerweise spätestens alle zehn Jahre. Nur so könne der tatsächliche Zustand der Artenvielfalt realistisch abgebildet und gezielter Naturschutz betrieben werden.

Zitat Icon

Wie stark der Rückgang ist, zeigt die vorbildliche ,Rote Liste gefährdeter Tiere‘ in Kärnten. Sie wurde nach 24 Jahren im Jahr 2023 aktualisiert veröffentlicht.

Professor Franz Essl, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien

Listen im Dornröschenschlaf
Kritisiert werden in diesem Zusammenhang auch strukturelle Probleme:  Zuständigkeiten seien zersplittert, Daten nicht zentral gebündelt und Aktualisierungen würden zu selten erfolgen. Gefordert wird daher die Einrichtung einer unabhängigen nationalen Stelle für Artenvielfalt, die Biodiversitätsdaten systematisch sammelt und Schutzmaßnahmen besser koordiniert.

Eine solche Einrichtung sei zwar politisch bereits angedacht, bisher aber nicht umgesetzt worden, so der Vorwurf des Vereins in seiner Aussendung. Mit einer Petition versucht der Tierschutzverein nun Druck zu machen. Sobald 10.000 Unterstützerinnen und Unterstützer erreicht sind, sollen die Forderungen offiziell an das Umweltministerium übergeben werden.

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