03.07.2008 14:38 |

Attentat

Österreicherin bei Anschlag in Jerusalem getötet

In der Innenstadt von Jerusalem hat ein Palästinenser am Mittwoch bei einer wilden Amokfahrt mit einem Bulldozer drei Menschen getötet - darunter auch eine 54-jährige gebürtige Österreicherin. Die Frau war eine österreichisch-israelische Doppelstaatsbürgerin, bestätigte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal am Mittwochabend. Wie ein in Wien lebender Bekannter der Familie zuvor telefonisch mitgeteilt hatte, war die Frau vor einigen Jahren nach ihrer Heirat nach Israel gezogen. Der Amokfahrer war laut seinem Anwalt seelisch krank.

Der Amokfahrer, der selbst von einem Polizisten erschossen wurde, verletzte zudem mehr als 40 Menschen. Er demolierte mit der Schaufel des Baufahrzeugs auf der zentralen Jaffa-Straße mehrere Autos und warf einen Autobus auf die Seite.

Bei der getöteten österreichisch-israelischen Staatsbürgerin handelt es sich nach Angaben ihres Bekannten und der israelischen Internetzeitung "Ynet" um Elizabeth Goren Friedman (54). Friedman, eine Lehrerin, ist in ihrem Auto von dem Attentäter getötet worden. Sie wurde laut der israelischen Zeitung "Haretz" noch am Mittwoch im Givat Shaul Friedhof in Jerusalem beigesetzt. Friedman soll in Katamon gelebt haben, einem Stadtteil von Jerusalem, außerdem arbeitete sie in einer Blindenschule. Der Name einer zweiten getöten Frau wurde mit Batsheva Onterman (33) angegeben. Sie stammte aus Jerusalem. Die Identität des dritten Anschlagsopfers war vorerst nicht bekannt.

Amokfahrer laut Anwalt seelisch krank
Laut "Ynet" glaubt die israelische Polizei derzeit nicht, dass der Attentäter den Anschlag im Voraus geplant hat. Es habe sich offenbar um eine spontane Attacke gehandelt, meinte Polizeikommissar Dudi Cohen. Der israelische Rundfunk meldete, der 30-jährige Hosam Dwayyat aus Ostjerusalem habe in der Vergangenheit Drogenvergehen und Einbrüche begangen sowie wegen Vergewaltigung einer Frau aus Israel zwei Jahre in Haft gesessen. Nach Einschätzung israelischer Sicherheitskreise handelte er auf eigene Faust und gehörte zu keiner der militanten Palästinenser-Gruppierungen.

Der Anwalt seiner Familie, Shimon Koko, sagte dem Rundfunk, Dwayyat sei kein Terrorist, sondern habe in einem Moment der Unzurechnungsfähigkeit gehandelt. Seine Familie sei nicht religiös, lehne die Tat ab und leide mit den Opfern.

Fernsehkamera nahm Drama auf
Der Amoklauf ereignete sich vor einem Bürogebäude, in dem verschiedene Medien untergebracht sind. Eine Fernsehkamera konnte Aufnahmen machen, wie der Bulldozer ein Auto zermalmte. Dem Video zufolge tötete ein Soldat, der nicht im Dienst war, den Fahrer mit mehreren Schüssen in den Kopf. Angehörige der Streitkräfte tragen in Israel auch außer Dienst ihre Waffe.

"Das war ein Alptraum!"
Hunderte Menschen liefen unmittelbar nach dem Anschlag in Panik durch die Straßen der Innenstadt. Am Unglücksort lagen Verletzte zwischen Glassplittern und Blutlachen auf der Straße. Ein Baby hatte Blut im Gesicht, eine Frau rief nach ihrem Kind. Etwa ein Dutzend Autos wurden von dem Bulldozer zerquetscht. "Das war ein Alptraum", sagte der 19 Jahre alte Soldat Ben Shimon. "Der rammte alles, was er gesehen hat. Er hatte eine Pistole und begann, auf einen Polizisten zu schießen." Die 52-jährige Esther Valencia konnte dem Fahrer in letztem Moment zu Fuß entkommen: "Er hätte mich fast erwischt." Jemand habe sie rechtzeitig weggeschubst.

Hamas weiß von nichts
Die im Gaza-Streifen herrschende Hamas habe derzeit keine Informationen über den Zwischenfall, aber wenn es sich dabei um einen Anschlag handle, dann sei dies "eine natürliche Antwort auf die ständigen israelischen Aggressionen gegen unser Volk im Westjordanland und in Jerusalem", erklärte der Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri in Gaza.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).