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Wissenschaftler testen Mars-Anzug "made in A"

31.07.2010, 16:15
Wissenschaftler testen Mars-Anzug "made in A" (Bild: APA/THOMAS BÖHM)
Foto: APA/THOMAS BÖHM
Weltraumexperimente im Tiroler Gebirge: Heimische Forscher testen derzeit auf einem der Gletscher in den Alpen einen neuartigen Raumanzug, der den eisigen Temperaturen auf dem Mars standhalten kann. Mit den Erkenntnissen dieser Versuche soll ein weiterer Schritt in Richtung Erforschung des Roten Planeten unternommen werden.

Der Anzug wurde von Tiroler Wissenschaftlern des Österreichischen Weltraumforums in Zusammenarbeit mit Schulen entwickelt. Erstmals werden damit Mars- Versuche unter der Erdoberfläche durchgeführt. Die Tiroler sind dabei eines von vier Teams auf der ganzen Welt und das einzige in Europa. Die Erfahrungen und die bei diesem Experiment gesammelten Daten werden publiziert und mit anderen Forschungsteams ausgetauscht.

Sieben Stunden im Eis

Der Innsbrucker Ulrich Luger testete den Prototyp am Samstag in 2.750 Metern Höhe am Kaunertaler Gletscher in Tirol: "An Anfang war es etwas unangenehm, jetzt fühle ich mich darin aber schon sehr wohl. Nur der Strom darf nicht ausgehen."

Alleine das Anziehen des 45 Kilogramm schweren Anzugs dauert ganze zwei Stunden. Man kann darin essen und trinken, im Helm sind ein Müsliriegel und ein Schlauchsystem angebracht.

Ganze sieben Stunden war Luger bei den Tests von der Außenwelt abgeschnitten. Auch natürliche Bedürfnisse können über einen Katheter, ein so genanntes "Uridoms", erledigt werden. Den Katheter gibt es in einer Ausführung für Frauen und in einer für Männer. Sogar das Gesicht kann sich der "Marsionaut" kratzen, am Helm ist innen ein blaues Stoffband angebracht, sollte die Nase einmal jucken.

Eisige Kälte, Stürme und überall Sand

Mit einer Durchschnittstemperatur von minus 55 Grad Celsius gehört der Mars zu den kältesten Planeten. Grund für die eisigen Temperaturen ist nicht nur seine Entfernung zu Sonne, sondern auch die dünne Atmosphäre des Planeten. Diese kann nämlich nur einen sehr geringen Anteil an Wärme speichern. Neben den extremen Temperaturschwankungen – von 20 Grad Celsius unter Tags bis zu minus 70 Grad bei Nacht – sind auch die Sandstürme auf dem roten Planeten eine Herausforderung, der der Anzug standhalten muss.

Ein fehlerhafter mehrpoliger Stecker der Stromversorgung brachte das Tiroler Experiment allerdings beinahe zum Scheitern. Noch bevor Luger zu der Gletscherspalte über Geröll, Schnee und Eis stapfen konnte, musste die Lüftung auf ein Minimum reduziert werden, auch nur mit einem Akku schaffte er dann den Marsch ins Eis. Die fehlende Lüftung bescherte allerdings angeschlagene Scheiben - dem "Marsionauten" musste vor dem Einstieg in die Spalte noch einmal das Glasvisier geöffnet werden, um wieder freie Sicht zu bekommen.

Aufgabe am Kaunertaler Gletscher war eine sterile Probenentnahme aus dem Gletschereis. Auch am Mars dürfte es vor etwa 3,5 Milliarden Jahren Wasser gegeben haben. Daher könnten Spuren etwaigen Lebens in Eisproben zu finden sein. "Sollte man dann dabei Dinosaurier oder Überreste grüner Männchen finden, wäre das unser Jackpot", sagte Gernot Grömer, Leiter des Experiments.

Wüste und Arktis als nächste Testorte

Für den Raumanzug ist es erst der Beginn einer Testreihe. Demnächst wollen die Innsbrucker Forscher in eine spanische Wüste und dann in die Arktis. Allerdings dürfte es wohl noch gute 25 Jahre dauern, bis jemand das erste Mal einen Fuß auf den Mars setzt - dann aber vielleicht mit einem Raumanzug "made in Austria"...

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