Idee aus der Schweiz

Reinigungssatellit soll Schrott im All einfangen

Wissen
15.02.2012 14:15
Die stetige Zunahme von Weltraumschrott aus Überresten von Raketen und ausgedienten Satelliten, der herrenlos im All kreist, wird für die Raumfahrt zu einer immer größeren Gefahr. Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) in der Schweiz wollen nun eine Art kosmische Müllabfuhr entwickeln - Reinigungssatelliten, die den Schrott im All einfangen.

Der Weltraum ist voller Abfall: Trümmerteile von Raketenstufen, Abdeckkappen, Schrauben, Isolationsstücke, Kupferdrähte und andere Überbleibsel des menschlichen Pioniergeistes fliegen durch den luftleeren Raum - und das mit horrenden Geschwindigkeiten von Tausenden Kilometern pro Stunde. Astronomen schätzen, dass Hunderttausende dieser Teilchen mehr als einen Zentimeter groß sind und Satelliten bei einem Zusammenprall schwer beschädigen können. Die US-Weltraumbehörde NASA überwacht deshalb permanent die Umlaufbahn von 16.000 Objekten mit einer Größe von mehr als zehn Zentimetern, die für aktive Satelliten ebenso gefährlich sind wie für bemannte Weltraummissionen.

Astronomen und Techniker am Swiss Space Center der EPFL wollen das Problem nun angehen. Die Forscher um Zentrumsdirektor Volker Gass planen eine ganze Armee von Reinigungssatelliten. Ein Prototyp mit dem Namen "CleanSpace One" könnte laut EPFL bereits in drei bis fünf Jahren ins All geschickt werden. Seine Entwicklung und die Mission selbst dürften zehn Millionen Franken (umgerechnet rund 8,3 Millionen Euro) kosten.

Reinigungssatellit fängt Schrott-Teile ein
Die Putzaktion soll laut den Forschern so ablaufen: Der Satellit wird ins All geschossen und macht sich dort an die Verfolgung eines Trümmerteils. Dazu wird er mit einem neuartigen, für den luftleeren Raum geeigneten Motor ausgerüstet. Erreicht der Reinigungssatellit sein Ziel, fährt er einen Greifarm aus und packt den Müll. Dieser Teil der Mission ist laut EPFL besonders heikel, rasen der Reinigungssatellit und das Trümmerteil doch mit rund 28.000 Kilometern pro Stunde durchs All. Ist die "Beute" ergriffen, ändert "CleanSpace One" seinen Kurs und macht sich auf den Weg in Richtung Erdatmosphäre, in der er - gemeinsam mit dem eingefangenen Weltraumschrott - verglüht.

Welches Objekt "CleanSpace One" aufs Korn nehmen soll, ist noch nicht entschieden. Der EPFL schwebt aber eine "symbolische" Aktion vor, bei der der Reinigungssatellit entweder den 2009 ins All geschickten Schweizer Minisatelliten "SwissCube" oder dessen Tessiner Cousin "TIsat" aus dem Verkehr zieht.

Der Aufwand, um nur ein Schrottteil zu entfernen, erscheint auf den ersten Blick riesig. Doch laut Gass will die EPFL diverse Systeme entwickeln und kommerzialisieren, die für verschiedene Typen von Satelliten geeignet sind. "Die Raumfahrtagenturen sind immer stärker gefordert, das was sie ins All schießen, auch wieder zu entfernen", ist Gass überzeugt.

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