Dr. Ameise hilft!

Ameisenart schützt Vorräte mit Antibiotika

Wissen
11.03.2009 12:17
Nicht nur Menschen machen ihre Vorräte dauerhaft haltbar, auch Tiere und Insekten sind dazu in der Lage. Das ist zum Teil gar so neu auch wieder nicht, doch über simple Lagerungsarten sind bisher noch wenige Tierarten hinausgekommen. Die Blattschneideameise sorgt aber nun für enormes Aufsehen, schützt sie doch die Vorräte ihres bevorzugten Futterpilzes (Leucoagaricus gongylophorus) durch das Antibiotikum Candicidin, das sie durch die Symbiose mit Bakterien gewinnt.

Blattschneideameisen sind in vielen Zoos der Welt gern gesehen. Das Wissen darum, dass sie ihren Futterpilz auf Blattstückchen kultivieren und ihren "Pilzgarten" fleißig hegen und pflegen, lässt sie in manchen Augen beinahe schon menschlich wirken, quasi als kleiner Bauern oder Gärtner. Doch diese ländliche Agraridylle wird durch einen anderen Pilz, den Schadpilz Escovopsis, in ihrer Existenz bedroht. Befällt dieser eine Kolonie der Blattschneideameise, bedeutet das mit großer Wahrscheinlichkeit das Aus für die Ameisen.

Erste Forschungserfolge bereits 1999
Daher hat dieses schlaue Insekt einen Weg gefunden, sich vor diesem Schadpilz zu schützen: Es bekämpft diesen Erreger ganz einfach mithilfe von Bakterien, genauer gesagt mit einem von diesen hergestellten und zur Verfügung gestellten Antibiotikum namens Candicidin. Bereits 1999 hatte Cameron Currie von der Universität von Wisconsin in den USA gezeigt, dass bakterielle Lebenspartner der Ameisen dazu beitragen, den Futterpilz zu verteidigen. Allerdings konnte bislang noch kein genauer Wirkstoff identifiziert werden.

Ameisen setzen auf Candicidin
Das haben nun die Forscher vom Max-Planck-Institut in Berlin nachgeholt: Dieter Spiteller, Leiter der Arbeitsgruppe "Mikrobielle Chemische Ökologie", isolierte zunächst die im Ameisennest vorgefundenen Bakterienarten und konfrontierte sie nacheinander mit dem Schadpilz. Tatsächlich erwiesen sich die sogenannten Streptomyceten als die entscheidenden Waffen gegen den "bösen" Escovopsis. Nach weiteren Versuchen schaffte man den endgültigen Durchbruch: "Wir konnten schließlich das hochwirksame Candicidin identifizieren, das das Wachstum des Schadpilzes stark hemmt."

"Wissen" der Ameisen soll Menschen nutzen
Was den Ameisen hilft, soll in Zukunft auch den Menschen helfen: "Die Untersuchung mikrobieller Symbiosen mit höheren Organismen wie den Ameisen könnte als Quelle für neue Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten dienen", betont der Max-Planck-Forscher. Man geht jedenfalls davon aus, dass die Ameisen ihre Antibiotika bewusst verschieden kombinieren, um gegen unterschiedliche Krankheitserreger vorzugehen.

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