Laut dem am Freitag präsentierten Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins büßte der Ötztaler Niederjoch Ferner mit 46 Metern am meisten Länge ein. Auch auf Platz zwei und drei der Top Ten befinden sich Ferner in den Ötztaler Alpen: der Kesselwand-Ferner (im Bild von 1971 bis 2009) zog sich um 44,4 Meter zurück, der Marzell-Ferner um 42,3 Meter.
"Es fällt auf, dass sich die großen Längenverluste bei den Ötzaler Gletschern häufen", sagte Andrea Fischer, die seit 2009 den Gletschermessdienst des Alpenvereins leitet. Das liege vorwiegend daran, dass es sich bei diesen um sehr große Gletscher mit langen Zungen handle, die für die derzeitigen klimatischen Bedingungen zu lang seien. "Weil das Eis großflächig sehr dünn ist, ziehen sich diese innerhalb kurzer Zeit zurück", erklärte Fischer. Neben den bereits genannten drei, die über 40 Meter einbüßten, verloren sieben weitere Ötztaler Gletscher über 30 Meter.
Nur ein Gletscher wurde größer
Insgesamt zogen sich 91 Prozent der beobachteten Ferner zurück, acht Prozent blieben stabil und nur ein Gletscher wuchs. Der Kleinfleißkees in der Goldberggruppe stieß um exakt 5,2 Meter vor. Ingesamt bedeuten die Zahlen gegenüber dem Vorjahr einen geringfügig stärkeren Rückgang. Im Berichtsjahr 2008 hatten sich noch vier Gletscher ausgedehnt.
Die Mittelwerte der Temperatur lagen auch vergangenes Jahr über dem langjährigen Durchschnitt. Der Winter war um 0,2 Grad Celsius wärmer als der Durchschnitt, der Sommer um 2,1 Grad. "Auch heuer zerfallen die Zungen der großen Talgletscher stark, es fehlt der Eisnachschub und in Kombination mit hohen Sommertemperaturen führt das zu einem starken Rückgang der Gletscherzungen".
Im August war die schützende Schneedecke auf den Gletschern mit durchschnittlichen Winterschneemengen fast völlig aufgebraucht. In den überdurchschnittlich schneereichen Regionen des Südens konnten sich allerdings einige Gletscher bis zum Ende des Sommers vor der Schmelze schützen. Die Zeit, in der das Eis auf manchen Gletschern bis in große Höhen blank lag, sei im Vergleich zu den vergangenen Jahren kurz gewesen. Die Verluste hielten sich deshalb trotz der teilweise großflächigen Ausaperung in Grenzen und entsprechen dem Mittel der vergangenen zehn Jahre.
Gletscherbericht seit 119 Jahren
Am alljährlichen Gletscherbericht des Alpenvereins arbeiten 20 ehrenamtliche "Gletscherknechte" und zahlreiche Helfer mit, die 19 Berichtsgebiete betreuen. Bereits seit 119 Jahren beobachtet der Alpenverein mit seinen Gletschermessern die Veränderungen auf Österreichs Gletschern.
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