So, 19. November 2017

Von Studenten gebaut

10.05.2017 15:08

Austro-Satellit „Pegasus“ soll Ende Mai starten

Klappt alles wie geplant, dann wird ab Juni ein österreichischer Nano-Satellit die oberen Schichten der Erdatmosphäre erforschen. Die zehn mal zehn mal 20 Zentimeter kleine, zwei Kilo schwere Sonde "Pegasus" ist Teil eines 36 Mini-Satelliten umfassenden Netzwerks, das von Hochschulen und Forschungsinstituten gemeinsam mit Studenten gebaut wurde. Am Mittwoch wurde der Nano-Satellit von der Fachhochschule (FH) Wiener Neustadt präsentiert.

Ursprünglich sollten die Satelliten bereits Anfang 2016 starten, die Suche nach einer geeigneten Rakete verzögerte allerdings das europäische Projekt QB50. Nun wurde bereits Mitte April ein Teil der 36 Satelliten mit einer "Atlas"-Rakete zur internationalen Raumstation ISS transportiert, wo sie voraussichtlich Mitte bis Ende Mai auf einer Höhe von 350 bis 400 Kilometer ausgesetzt werden sollen, wie "Pegasus"-Projektleiter Carsten Scharlemann von der FH Wiener Neustadt erklärte.

Flughöhe von "Pegasus" noch nicht fix
Die restlichen Satelliten, darunter auch "Pegasus", sollen voraussichtlich Anfang Juni mit der indischen Trägerrakete PSLV auf eine Höhe zwischen 480 und 520 Kilometer gebracht werden und die Erde in einer polaren Umlaufbahn umrunden. Die Flughöhe ist laut Scharlemann noch nicht fix, würde aber in dieser Entfernung von der Erdoberfläche die Lebensdauer der Satelliten mit 6,5 bis sieben Jahre deutlich erhöhen. Ursprünglich war eine Flughöhe von 350 bis 380 Kilometer geplant, was aufgrund der Reibung der dort vergleichsweise dichten Lufthülle eine Lebensdauer von nur wenigen Monaten bedeutet hätte.

Über die sogenannte Thermosphäre, die sich von etwa 80 bis 600 Kilometer Höhe erstreckt, ist noch relativ wenig bekannt. Interessant ist dieser Teil der Atmosphäre, weil er das globale Wetter beeinflusst. Von ihrer Erforschung erwarten sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis der Vorgänge, dadurch längerfristige Wettervorhersagen und auch Erkenntnisse über die Erderwärmung. Das Kleinsatelliten-Netzwerk bietet den Vorteil, gleichzeitig Daten von vielen Messpunkten zu erhalten.

Sonde hat gepulsten Plasmaantrieb an Bord
Jedes teilnehmende Team musste sich für eines von drei Instrumenten auf seinem Satelliten entscheiden, mit denen Ionen und Neutralteilchen, atomarer Sauerstoff sowie Elektronendichte und -temperatur untersucht werden. Auf letztere Aufgabe wird sich das Gerät auf "Pegasus" konzentrieren. Zusätzlich zur Standardausstattung hat "Pegasus" einen an der FH Wiener Neustadt entwickelten gepulsten Plasmaantrieb an Bord, der erstmals im Weltraum getestet wird.

Neben der Forschung hat das QB50-Projekt vor allem das Ziel, Studenten während der Ausbildung die Möglichkeit zu geben, an einem Raumfahrtprojekt von Anfang bis zum Ende mitmachen zu können. Im Fall von "Pegasus" waren das vor allem Studenten des Master-Studiengangs "Aerospace Engineering".

Bodenstationen in Wien und Wiener Neustadt
Am Bau des Austro-Satelliten waren neben der FH Wiener Neustadt und deren Forschungsunternehmen FOTEC u. a. auch das aus Studenten aller Fachrichtungen zusammengesetzte Space Team der Technischen Universität Wien beteiligt. Die Space Tech Group, eine Vereinigung von Raumfahrt- und Funkbegeisterten, hat die Bodenstation gebaut, und verantwortet den Datentransfer, an der FH Wiener Neustadt wird derzeit an einer weiteren Bodenstation gearbeitet.

"Pegasus" ist nicht der erste österreichische Satellit. 2013 wurden mit "TUGSAT-1" und "UniBRITE" zwei Sonden gestartet, die Sterne erforschen. Sie umkreisen die Erde in rund 800 Kilometer Höhe.

"TUGSAT- 1" wurde von der TU Graz entwickelt und gebaut, der baugleiche "UniBRITE" im Auftrag der Universität Wien vom Space Flight Laboratory der Universität Toronto in Kanada.

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden